VIER GEDICHTE FÚR EINE HOCHZEIT IM JAHRE 1738 159 12. Die Gedichte (II-IV) stehen zwar auch in der islándischen Tradi- tion, denn es handelt sich auch bei ihnen um Stabreimdichtung; im úb- rigen orientiert sich der Verfasser jedoch ganz an der zeitgenössischen dánischen Dichtung. Das Hochzeitsgedicht war ein wichtiger Zweig der dánischen Gele- genheitsdichtung des 17. und 18. Jhdts., und der erste Kopenhagener Aufenthalt Jón Ólafssons - also die Jahre von 1726 bis 1743 - fiel in ei- ne Zeit, in der viel gedichtet und besonders viel Gedichtetes publiziert wurde: I de Aar . . . begyndte det, siger Holberg, at vrimle med Poeter ligesom med Fluer i September. Det forrige Aarhundredes ukirkelige Poesi var for en stor Del utrykt. . . . Men omkring den store Udgave af Bordings Poetiske Skrifter 1735 ved Rost- gaard med Fortale af Gram flokker sig en Sværm af Samlede Digte.19 Man darf annehmen, daB Jón Ólafsson zumindest die erwáhnte Aus- gabe der Gedichte Bordings von 1735 kannte, stand er doch in jenen Jahren in enger Verbindung nicht nur zu Hans Gram, sondern auch zu Frederik Rostgaard.20 Jón Ólafsson mu6 jedoch auch die jungeren zeitgenössischen Gelegenheitsdichter gekannt haben, wie Ambrosius Stub (1705-1758) und Christian Frederik Wadskiær (1713-1779), die um und nach 1730 in Kopenhagen studierten.21 13. Die Gelegenheitsdichtung dieser Zeit war zum groBen Teil sangbar und wurde auch gesungen. In der obengenannten Ausgabe der poe- tischen Schriften Bordings von 1735 werden vor allem in der Abteilung 'Verdslige og Kiærligheds Viser' immer wieder Angaben zu den Melo- dien gemacht. So heiBt es etwa auf S. 264: 'Melodien som Ristii, Ach Amaryllis hast du doch', und auf S. 283: 'Med sin Tone.' Oder auf S. 305: 'Siunges som: Eengang der jeg lystig var. Eller som: Broder, hvi est du saa mut.' Carl S. Petersen und Vilhelm Andersen, Illustreret dansk Litteraturhistorie, Bd. II, Kopenhagen 1934, S. 186. Siehe Jón Helgason, Jón Ólafsson frá Grunnavík, passim, insbesondere S. 165 und 167. Siehe F.J. Billeskov Jansen und Gustav Albeck, Dansk litteraturhistorie, Bd. 2, Kopenhagen 1976, S. 107 ff., S. 111 ff.