Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Side 7
In der Schlucht unterhalb des Tröllafoss fand ich an einer steilen Felsen-
wand den Horst des Kolkraben mit drei fliiggen Jungen (18. Juni).
In Bessaslaðir und auf den beiden Inseln galt unser Besuch hauptsach-
lich derKria (Stema macrara Nauin.), die dort zu Tausenden nistet. Auf
Akurey gibt’s auch noch zahlreiche Tundi. Zwischen dem Steingeröll
am Rande entdeckten wir endlich auch ein Nest der Schneeammer mit
fiinf halberwachsenen Jungen, die von beiden Alten alle fiinf Minuten ge-
fiittert wurden; sie waren so zutraulich, daB sie beim Fiittern gefilmt
werden konnten.
Am 20. Juni konnten wir nach mancherlei Vorbereitungen aufbrechen
zur Reise in das innere Hochland.
Urspriinglich war meine Absicht, iiber Þjórsárbrú, Fellsmúli die Þjórsá
aufwárts zu reiten, bei Búðarháls iiber die Tungnaá zu setzen, dann am
rechten Ufer der Kaldakvísl aufwárts zu ziehen und in der Náhe von Illu-
gaver an der von Heinrich Frkes entdeckten Ubergangsstelle die Kalda-
kvísl zu úberschreiten und in das Gebiet der Fiskivötn vorzudringen. Auf
diesen Plan hatte ich jahrelang meine Vorbereitungen getroffen; man wird
hieraus ermessen, welche Uberwindung es mich kostete, in letzter Stunde
darauf zu verzichten. Und warum ? Weil die islándischen Pferde angeblich
nicht an Hafer zu gewöhnen sind. In Wirklichkeit liegt das Hindernis in
der Uethargie der Islánder. Es ist zwecklos, hieruber viel zu reden; aber
wer im Juni in das Innere reiten will, dem bleibt kúnftig nichts anderes úbrig,
als mindestens einen Monat vor Beginn der Reise die Pferde zu kaufen und
die eigensinnigen Fresser allmáhlich an Hafer und Brot zu gewöhnen. Nur
auf diesem Wege wird er unabhángig vom Graswuchs und von der Schwer-
fálligkeit der Bauem. Genug, der Plan war also gescheitert. Nach mancher-
lei Uberlegungen haben wir uns dann entschlossen, nach den Kerlingarfjöll
zu reiten und zwar auf folgendem Wege: Reykjavík, Torfastaðir (Biskups-
tungur), Austurhlið, Geysir, Gullfoss, Hólar, Fremstaver, Hvitárvatn, Grá-
nanes, Kerlingarfjöll.
Am 20. Juni brachte uns das Auto bis Torfastaðir, wohin wir unser Gepáck
bereits am Tage vorher hatten befördem lassen. Unterwegs besuchten wir
am Sog die alte Brutstátte des Skúmur (Megalestris skua Brúnn.). Auch
nicht ein Vogel war mehr zu sehen! Die unsinnige Eierráuberei hat die
Vögel vertrieben und die Státte verödet. Interessant war mir jedoch das
Brúten der Uimose (U. aegocephala U.) und des Austernfischers an dieser
Stelle. Vom andem Ufer erklang der melodische Glockenruf eines Schwanen-
paares. AuBerdem wurden beobachtet: Totanus totanus U., Gallinago galli
nago U., Anser fabalis, i Párchen Uarus marinus U., einige Schneehúhner
und zahlreiche Weindrosseln. Regenbrachvogel und Goldregenpfeifer fehlten
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