Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Qupperneq 3

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Qupperneq 3
Finnbogason und es sind Obersetzungen ins Dánische, Englische und Deutsche beigegeben, letztere von Wemer Haubold ausgefiihrt. In Einars Werken erscheint uns freilich eine Gedankenwelt, die ausge- sprochen islándisches Gepráge hat und der Besucher des Museums wird sich gern in diese Vorstellungswelt, in diese Skaldenpoesie hineinleben, um zu Verstándnis und GenuB zu kommen. Wenn auch ein solches Erd- entsprossensein des Kunstlers gerúhmt wird, dúrfte sie doch den Nachteil haben, daB sie ihm den Weg ins Ausland, — in die Welt verlegen kann, und das hat Einar J ónsson auch bitter genug erfahren. Aber es zeigt sich in vielen dieser Werke eine Eigentúmlichkeit, die weit úber das Nationale und Internationale hinausgeht und die mit „kosmisch" zu bezeichnen ist. Sie stellt den Kúnstler so hoch, daB man von ihm sagen könnte, er stehe jenseits des Gegensatzes von Inhalt und Form. Wir sehen eine unabhángige Form, in welche der Gedanke hineingeboren ist. Stellen wir uns einmal vor, daB ein Beschauer in das Museum eintrete, der von der ganzen nordisch-germanischen Diteratur und auch von dem jetzigen Zustand der islándischen Kultur gar keine Kenntnis hátte, — er möge auf einem Luftschiff von der súdlichen Halbkugel hierher verschlagen sein — der aber in ásthetischen Sachen getibt wáre, so wúrde er, ohne den Gedankeninhalt der Werke zu begreifen, sofort eine hohe Befriedigung empfinden, durch den optischen Eindmck vieler dieser Bildwerke, und das in stárkerem MaBe, als in irgend einem intemationalen Museum. Er wúrde ganz allein durch seine Augenbewegung úber die Einien eines Werkes hin sein Gefúhl sáttigen können und sein Schönheitsverlangen befriedigt finden. Von diesem optischen Erlebnis angeregt, wúrde er dann vielleicht geneigt sein, nach dem Gedankeninhalt zu fragen und sodann festzustellen, daB eine innige Wechselbeziehung vorhanden ist zwischen Form und Inhalt. Ob der gedankliche Inhalt des Werkes Veranlassung gegeben hat zur optischen Formgebung, ob also letzterer Hilfstruppe fúr ersteren ist, — oder ob um- gekehrt der Augeneindrack, — etwa die Gestaltung einer gewissen Linie das XJrsprúngliche ist, welchem nachtráglich eine neue ideelle Deutung beigefúgt oder untergelegt wúrde, das láBt sich nicht entscheiden. Es wáre auch ein úbles Zeugnis fúr das Werk, wenn eine Entscheidung in diesem Sinne stattfinden könnte, denn damit wáre ein Zwiespalt im Werke festgestellt, wáhrend doch Einheitlichkeit als Grandwesen des Kunstwerkes anzusehen ist. Bei Einar findet man das Bestreben, durch den starken optischen Eindruck beim BeschauerAufnahmefáhigkeit fúr den Gedanken zu erzwingen, wáhrend manche andere Kúnstler zuerst den Gedanken gewinnen und dann múhsam die Formen herbeitragen, die zur Gestaltung erforderlich sind oder ihn gar durch Symbole zu erláutern suchen. Man könnte den einzelnen 1* 3

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