Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Side 8
als Charaktervögel nirgends. Nielsen hat also unrecht, wenn er behauptet,
die himose briite nur in der Umgegend von Eyrarbakki; ubrigens habe ich
schon 1908 Alte und halbflúgge Junge dieser Art in der Gegend von Skál-
holt gefunden, und in der sumpfigen Umgebung von Hólar (Biskupstungur)
ist sie durchaus nicht selten.
In Torfastaðir standen unsere 9 Pferde mit unserem Fúhrer, dem wackern
Eirigur, bereit und wir sind am selben Tage noch bis zum Geysir geritten.
Der alte Herr, den ich 1908 noch bei einem Ausbruch in voller Pracht be-
wundert hatte, lag in tatloser Ruhe da zur herben Enttáuschung meines
Begleiters. Vom einstigen Hotel Geysir zeugen nur noch die steinernen
Fundamente. Diese Attraktion ist also bis auf weiteres vorbei. Aber ich
will mich bei Bekanntem nicht aufhalten. Der Gullfoss entfaltete (nach-
mittags 4 Uhr) bei unserer Ankunft seine ganze márchenhafte Schönheit.
Es ist unmöglich, sie in Worten wiederzugeben; mich wundert, daB dieser herr-
liche Wasserfall noch keinen deutschen Maler gereizt hat, seine Kunst daran zu
versuchen. Der „Weg“ vom Gullfoss nach Hólar fúhrt durch sehr schwieriges
Sumpfgelánde. Das Wetter wurde immer schlechter, und dieses kalte reg-
nerische Wetter ist uns die ganze Reise treu geblieben; wir haben wáhrend
des 21 tágigen Rittes nur drei Sonnentage gesehen. Trotz öl- und Eeder-
zeug waren wir háufig bis aufs Hemd durchnáBt. Wie hatte mein guter
Freund in Reykjavík den Kopf geschúttelt úber die beiden groBen Schlaf-
sácke, die ich in der Heimat aus je 6 Schaffellen hatte herstellen lassen! Und
wie haben wir uns gefreut, wenn wir abends, um nur einmal trocken und
warm zu werden, nackend in die molligen Sácke krochen und nach fúnf
Minuten behaglich warm unsere Bremer Brasilzigarre rauchen konnten. Die
Stimmung in unserer kleinen Karawane war dank unserer wohlúberlegten
vortrefflichen Ausrústung und Verproviantierung jederzeit ausgezeichnet
und ich höre noch die urwúchsigen Juhschreie meines Begleiters wáhrend
eines Schneesturmes.
An dieser Stelle will ich auch ein Dankeswort der Maggi-Gesellschaft
widmen, die mich, ohne daB ich darum gebeten hatte, mit ihren Suppenfabri-
katen in tadelloser Uberseeverpackung ausgerústet hatte. Alle waren wir
uns einig darin, daB es ein köstlicher GenuB ist, nach achtstúndigem Ritt
in kalten Regenschauern einen Teller heiBer Maggi-Nudelsuppe zu essen.
Fúnf Minuten Kochzeit! Und ebensosehr bin ich Freund Erkes zu groBem
Dank verpflichtet, der mir sein sturmerprobtes Zelt úberlassen hatte; es hat
weder Sturm, noch Schnee, noch Regen durchgelassen.
Fremstaver ist ein idealer Zeltplatz, unmittelbar am Felsenufer der unten
brausenden Hvitá; hier beobachteten wir im Vorbeireiten eine Schar von
21 ásenden Singschwánen.
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