Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Page 10

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IV. AUS THOKODDSENS NACHLASS Unsere „Mitteilungen" brachten auf Seite 22 ihres 12. Jahrgangs (1924) eine Auf- záhlung der damals noch unveröffentlichten Arbeiten aus dem handschriftlichen Nach- laö des im Jahre 1921 verstorbenen islándischen Geographen und Geologen Thorvaldur Thoroddsen. Von diesen hinterlassenen Arbeiten ist das in deutscher Sprache verfaöte Hauptwerk unter dem Titel „Die Geschichte der islandischen Vulkane" als Band 9 der 8. Reihe der naturwissenschaftlichen und mathematischen Abteilung der „Schriften der dánischen Gesellschaft der Wissenschaften" körzlich in Kopenhagen im Druck er- schienen. Der stattliche Quartband umfaöt 458 Seiten und 5 Tafeln. Zahlreiche Text- abbildungen zeigen in zumeist vortrefflicher Wiedergabe photographische oder zeichne- rische Aufnahmen verschiedener, darunter auch mehrerer deutschen Islandforscher. Das Werk enthált die geschichtliche und naturwissenschaftliche Besprechung aller bekannt gewordenen Vulkanausbriiche auf Island von der Besiedlungszeit an (vor 900) bis einschlieölich 1910; ferner behandelt es die warmen Quellen, Solfataren und Kohlen- sáurequellen, sowie die Erdbeben auf Island von 1013 bis 1908 (im Inhaltsverzeichnis irrig 1808). Den Stoff zu diesem groöen Werke hat Thoroddsen wáhrend vieler Jahre zum Teil durch seine eigene Arbeit im Felde, zum Teil aus der gesamten gedruckten wie hand- schriftlich erhaltenen, vielfach schwer zugánglichen islándischen und auslándischen Literatur uber Island gesammelt und zum groBen Teil bereits friiher in vielen Einzel- aufsátzen und in seinen bekannten groöen Schriften behandelt. In dem neuen Werke ist aber nicht nur das schon friiher Veröffentlichte fibersichtlich zusammengefaBt und systematisch geordnet, sondern auch durch Hinweise auf alle spáteren Forschungen bis 1911 und deren kritische Besprechung erweitert und vervollstándigt worden. Ein ganz besonders hoch zu schátzender Wert des Werkes liegt ferner darin, daB vieles, was Thoroddsen fruher nur in islándischer Sprache veröffentlicht hatte, und was da- durch den meisten auslándischen Forschern unbekannt oder nur ungenau bekannt geblieben war, jetzt in deutscher Sprache der Wissenschaft leicht zugángig gemacht worden ist. Bedauerlich ist, daB das Werk, das Thoroddsen 1912 vollendet hatte, infolge un- gúnstiger Umstánde erst jetzt hat erscheinen können. Dadurch ist einiges veraltet oder vielmehr úberholt, und es fehlen, da es nicht möglich war, das Werk bis zur Gegen- wart fortzusetzen, natúrlich die Ergebnisse der Untersuchungen und Feststellungen der letzten 15 Jahre zum islándischen Vulkanismus. Aber auch in der vorliegenden zeitlichen Begrenzung ist das Werk eine auBerordentlich dankenswerte Bereicherung der wissenschaftlichen Literatur tiber die islándische Vulkanwelt und ihre ÁuBerungen; und das schöne Buch darf als ein wtirdiges Denkmal des leider zu frtih vom Tode hinweg- gerafften hervorragenden islándischén Gelehrten bezeichnet werden. Köln Heinrich Erhes V. WINTERWANDERUNG AUF ISLAND 1 Wir feierten Weihnachten — mit einem richtigen griinen Weihnachtsbaum von driiben iiberm Meer, mit „hangikjöt" und „bóndadóttir", guten islándischen Weihnachtsgerichten, mit islándischen Liedern und deutschen Melodien — aber ohne Schnee. Nicht einmal zu Weihnachten bescherte uns der milde islándische Winter die feierliche Schönheit weiB verhiillten handes. Nur die Berge, und unter ihnen auch nur die höchsten waren von Schnee umschleiert; das Unterland lag immer noch unbedeckt, ungeschiitzt vor dem 10

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