Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Síða 20

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Síða 20
gliedern gehören u. a. der islándische Erste Minister J ón Magnússon, Keichsantiquar Mathias Þórðarsson, Dozent Bjarni J ónsson frá Vogi und Islands Vertreter in Stock- holm, der danische Gesandte und fruhere langjáhrige Minister des Auswártigen Erik Scavenius. Anfang November v. J. hielt der neue Verein seine erste Versammlung in Form eines Klubabends in den Festráumen des Restaurants Fenix ab, die áufierst zahlreich besucht war. U. a. waren der danische Gesandte in Stockholm, Scavenius, der Vor- sitzende von Stockholms Studentenkorps und viele Mitglieder der islándischen Kolonie in Schweden anwesend. Freiherr Axel Klinckowström hielt einen Lichtbildervortrag iiber Islands geologische Entwicklung, Geschichte und Natur. Ferner wurden islándische und schwedische Kompositionen zu Gehör gebracht. Hieran schloS sich ein Abendessen und ein gesellschaftliches Zusammensein mit Tanz. S. litz. 3. Unser Mitglied, Herr Oberlandgerichtsrat Dr. H. Jaden in Wien hat vom König Christian X. von Dánemark und Island das Ritterkreuz des kgl. islándischen Falken- ordens erhalten. X. ABSCHNITTE AUS „SPIEL MIT HALMEN“ (LEG MED STRAA) Von Gunnar Gunnarsson Úbersetzt von Martha Timpe, Bremen, z. Zt. London Die Jahre, da ich noch jung und — bis auf die Erbsiinde—unschuldig war, die Jahre, da meine Erlebnisse sich ohne Bitterkeit in Erfahrung umsetzten, die Jahre, da mein Mitleid mit allem Lebendigen unkritisch und innerlich war — die Jahre, da Gott wie ein mildtátiger, freundlicher Vatersvater vor mir stand, der Teufel wie ein etwas gefáhrlicher, launischer, aber im Grunde dummer und unschádlicher Muttervater —, die Jahre, da das Licht siegreich war — und es war Lichtl — und da alles Finstre, alle Angst sich mit einem Vaterunser oder Kreuzzeichen bannen lieB — die Jahre, da ich am Morgen kaum den Abend verschwommen vor mir sah und ruhig im Wind- schutz einer griinen Grassodenwand saB und mit Halmen spielte —, die Jahre sind entschwunden und kehren nimmer wieder. II (Der kleine Uggi Greipsson sieht den jungen Nonni, den Sohn der alten Begga, als seinen gefálligsten, gutmiitigsten Freund unter den Hofgenossen an.) . . . Es gipfelte auch darin, daB ich ihm Vigi (Uggis Hund) verehrte. Eine so groB- miitige Handlung von meiner Seite war freilich mit einem leider recht schmerzlichen Vorspiel verkniipft. Ehe ich dariiber berichte, muB ich erwáhnen, daB mein Vater, soweit ich nur irgend zuruckdenken kann, sich unverbriichlich mit mir darin einig war, dafi ich „ein Mann“ sei. Diese Manneswörde, auf die ich ungeheuer stolz bin, ist durch die stillschweigende Voraussetzung bedingt, daB ich niemals, was auch immer mit mir geschahe, mich be- klage oder Tránen vergieBe. Jetzt kann ich wohl eingestehen, daB sie mir mitunter fast zu teuer erkauft vorkam, und daB sie immer entweder muhselig oder schmerz- haft war. Damals hátte mich wohl kaum irgendeine Macht dahin bringen können, dies zuzugeben. Meines Vaters Lob — mit dieser Ware sparte er námlich ebensowenig wie mit irgendeiner anderen — klang mir so stiB und lieblich im Ohr, daB ich glaube, ich wáre lieber tot umgefallen, als daB ich mich „gegeben" hátte, wenn er zur Stelle war. Jenes Lob war von eigenttimlich knapper und kerniger Art und in meiner Arg- losigkeit fiel es mir keinen Augenblick ein, daB das Ganze nur ein Erziehungskniff war. 20

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