Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Side 21

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1926, Side 21
Bin ich mit ilim ausgegangen und so mude geworden, daB ich kaum mehr die FiiBe heben kann, so heiBt es: „Ein Mann kennt keine Miidigkeit!" . . . Wegen dieser Worte schleppe ich mich weiter und tue so, als ob es nichts ware. StoBe ich mir die Zehen an einem Stein oder einer Schwelle, ohne zu fallen, bricht er bewundernd aus: „Sieh mal an, wie fest stehst du auf den FuBen!" Und wenn mir auch die Zehen wie Feuer brennen und ich fúhle, daB sie anschwellen und so groB wie Kornsacke werden, so erwidere ich seinen Blick doch in einer Weise, die ich selbst fúr ein Lacheln halte. Falle ich wirklich — was nicht selten vorkommt — und hole mir eine túchtige Beule oder eine blutende und brennende Schramme, so kommt er mir hilfreich zuvor — wendet geschickt meine Niederlage zum Sieg: „Sieh, so soll ein Mann sein: hart wie Flint!" Und hart „wie Flint" schlucke ich Schrei und Tranen herunter — denke bloB bei mir selber, daB ich mich schlieBlich wohl aufs Weinen besinnen darf, sobald ich allein bin! Ist ein Fremder anwesend, wenn mir ein Unfall zustöBt und wundert der Fremde sich úber meine dreijahrige Tapferkeit — was er wohl kann —, wirft mein Vater nur hin: „Oh, Uggi — der ist so hart wie ein Ivnorren — fúrchtet weder Feuer noch Stahl!” Der Ernst, womit er das sagt, besonders aber der Umstand, daB er es so ganz nebenbei sagt, ist fúr mich einsolcher Triumph, daB ich bezweifle, ob ich jemals spáterhin einen gleichen erlebt habe. So geht es nun auch an jenem Morgen zu, wo ich Nonni meinen jungen Hund schenke.. Mein Vater hat in jenem Sommer zwei Pferde auf dem Hofe, die ihm selbst gehören: eine flinke junge Fohlenstute, Brunka, die vor Selbstgefúhl und Sorglichkeit keinen heranláBt, weil sie auf ihr erstes Fúllen, ein schmalbeiniges, breitrúckiges, rotes kleines Ding mit fast weiBem Maul, Beinen und Schwanz, achtzugeben hat — sowie ein altes schwarzweiBes Reitpferd aus seiner Jugendzeit, Skjóni, das fast schon abgedankt ist und dem die fliegende Gicht und mancherlei Untugenden in allen Gliedern sitzen. Gerade wie ich an jenem Morgen an meines Vaters Hand zur AuBentúr hinaustrete, und ehe ich noch richtig mit der Sonne den ersten MorgengruB ausgetauscht habe, reitet Nonni auf Skjóni in den Hofraum, auf dem Wege zwischen der HáuSergruppe und der Kirchhofsecke. Von den Worten, die mein Vater und Nonni wechseln, verstehe ich, daB Nonni vom frúhen Morgen an fortgewesen ist, um einige weggelaufene Milchschafe zu suchen, daB er Skjóni zum Reiten genommen hat, weil er keins von den „Priesterpferden" hat finden können, und daB er nichts von den Schafen gesehen liat. Ich habe keine Lust, dazustehen und mir ihre weitláufigen MutmaBungen dartiber anzuhören, wo die Schafe sich versteckt haben können, und da es sic.h gerade so glúcklich trifft, daB ich einen alten Ball in der Hand habe, mache ich mich daran, ihn gegen den náchsten Giebel zu werfen, um zu sehen, wie weit ichs darin bringe, ihn zurúckspringen zu lassen. Mein Vater und Nonni stehen an beiden Seiten Skjónis, beide an ihn gelehnt. Das ist viel- leicht die Ursache daftir, daB Skjóni die Ohren zuruckgelegt, die Augenlider halb ge- senkt hat und so muckisch ist, daB er, wie ich ihm ein Búschel Gras hinhalte, nicht nach dem Grasbúschel, sondern nach mir schnappt — was ihm einen Klaps auf die Backe von meinem Vater, einen Klatsch auf die Lende von Nonni und brummige Worte von uns allen dreien einbringt. Da mein Vater und Nonni noch lange nicht alle Mög- lichkeiten uber die verschwundenen Schafe erschöpft haben, tiberlasse ich den un- dankbaren Skjóni sich selbst und spiele weiter mit meinem Ball . . . Skjóni scheint es indessen gar nicht erheiternd zu finden, zwischen den Beinen einen Ball herumkugeln und einen Jungen herumkrabbeln zu haben, und um mir das klar- zumachen, versetzt er mir eins, wie ich mich wieder einmal nach dem Ball bticke, gerade von hinten mit hartem Hufschlag — und das mit solcher Kraft, daB ich einen Frosch- hopser ein paar Ellen weit auf den Hofplatz mache. Noch im Fluge ist meine Nase eine húbsche kleine Nase — nach der Landung ist sie es nicht mehr, und es geht úbrigens gar niclit so schnell, bis sie es wieder wird! Niemand wird es mir wohl zur Unehre an- 21

x

Mitteilungen der Islandfreunde

Direkte link

Hvis du vil linke til denne avis/magasin, skal du bruge disse links:

Link til denne avis/magasin: Mitteilungen der Islandfreunde
https://timarit.is/publication/323

Link til dette eksemplar:

Link til denne side:

Link til denne artikel:

Venligst ikke link direkte til billeder eller PDfs på Timarit.is, da sådanne webadresser kan ændres uden advarsel. Brug venligst de angivne webadresser for at linke til sitet.