Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Side 1
MITTEILUNGEN DER
ISLANDFREUNDE
ORGAN
DER VEREINIGUNG DER ISLANDFREUNDE
HERRUSG.: PROF. DR. W. HEYDENREICHIN EISENRCH U. DR. H. RUDOLPHI
IN LEIPZIG / VERLAG VON EUGEN DIEDERICHS IN JENR
XVI.Jahrg. Heft4 April 1929
Die MITTEILUNGEN DER ISLRNDFREUNDE erscheinen als Vierteljahrsschrift
und werden den Mitgliedem der Vereinigungkostenlos vom Verlage zugesandt.
I. ISLANDS NORDKAP (HORN)
Von Paul Herrmann
(SchluB)
DiekleineBuchtzwischenHeljarvíkurbjarg und KapHornheiBtHomvík.
Prachtvoll war der erste Blick, den wir in der Friihe vom Dampfer aus auf
die steilen, nach See zu gerichteten, fast senkrechten Felswánde des Kaps
haben; hinter ihm erhebt sich die hohe, schlanke Spitze Kálfatindur. Dicht
an der Westseite der Hornvík ragt ein einzelner Felsen, Súlastapir senkrecht
aus dem Wasser. Wir hielten zuerst an der Sudwestecke der Bucht vor dem
Gehöft Höfn auf 17 m Wassertiefe, was nur möglich ist, wenn der Wind
nicht von N oder W steht. Am Nachmittag ankerten wir an der Ostseite
vor dem Gehöft Horn auf 21 m Wassertiefe.
Wir lieBen uns zunáchst nach Höfn hinubermdern, wo Kaufmann 'Arni
J ónsson eine kleine Zweigniederlassung hat. In der Náhe hatte ein Herr vom
dánischen Generalstab seine Zelte aufgeschlagen. Mit bekannter „Nordland-
Gastlichkeit“ wurden wir aufgenommen und erfuhren manches Wissenswerte
úber das L,eben hier. Er rúhmte die Sauberkeit, die auf Höfn herrsphte, die
gute Milch und Butter, die er von hier bezog, und die Anstelligkeit der Be-
wohner: von den elf Kindem des Bauern half ihm ein junger Bursch bei seinen
Arbeiten und hatte in kurzer Zeit so viel Dánisch gelernt, daB sie sich in einer
Mischung von Islándisch und Dánisch leidlich verstándigen konnten. Das
Gehöft selbst macht einen höchst altertúmlichen Eindmck. Ein Vorbau aus
lauter Treibholz fúhrt zu dem eigentlichen Wohnhause, dessen Wánde aus
mehreren Dagen úbereinander gelegter Baumstámme errichtet sind, zwischen
denen der Raum mit Grassoden und Erde ausgefúllt ist; Wánde und das
7 Mitt. d. Istandlreunde XVI, 4
73