Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Blaðsíða 7

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Blaðsíða 7
hátte mir eine Erfrischung geholt, aber mein Fiihrer, der an den Aufenthalt hier vor 28 Jahren nur noch mit Grauen zu denken schien, erklárte es fiir unmöglich, weil gesundheitsschádlich. Wáhrend wir auf das Boot vom Dampfer warteten, strich er iiberall umher und traf eine Witwe, die 1886 eine junge Frau gewesen war. Wehmiitig wies er auf die Veránderung hin, die die Jahre inzwischen an ihm und ihr hervorgerufen hatten: Seidnes Kleid wird Unterfutter, Holde Maid wird Schwiegermutter. Ihrer Einladung konnte er nicht widerstehen und betrat das hölzerne Haus, dessen Wánde aus Rasen bestanden. Wie erstaunte er aber iiber das Innere! Die Dielen waren sauber und aufgewaschen, Gardinen hingen an den Fenstern. Die Möbel und Geráte waren z. T. selbst gefertigt, nicht ohne Geschmack. Der Hof wird von 2 Bauern gemeinschaftlich verwaltet, die Zahl der Bewohner betrágt 20. Jeder Bauer hat je 2 Pferde, die auf dem Sattel des Kaps ihre Nahrung finden. Geradezu ausgezeichnet ge- deihen die Schafe, von denen jeder etwa 40 hatte. Der eine Bauer rechnete ibr 1 vor, welchen Gewinn die Zucht dieser Wolltiere ihm bráchte. Er hatte 1 Schaf fur 20 Kr. gekauft, dieses bekam 2 Junge; er verkaufte die Mutter mit den beiden Lámmern im Oktober fiir 45 Kr. zum Schlachten und hatte auBerdem noch 2 Kr. fiir die Wolle: er hatte also in 1 Jahre iiber 100% verdient und dabei nicht die geringste Arbeit gehabt. „Der 'Utlendingur ann ruhig bei uns einkehren," meinte er zu ögmundur, „wir sind keine Eskimos, wir sind gerade so gut wie andere. Er braucht auch bei uns keine gröBere Angst vor Typhus zu haben als anderswo und kann Wasser oder Milch ohne Scheu trinken.“ Auch die Krátze ist verschwunden, die, eine Folge der Unsauberkeit, fruher auf Horn und den meisten Höfen der Hom- strandir herrschte. Wohl leben die Bewohner immer noch fern von der groBen Welt, abgeschieden und einsamer selbst als die meisten ihres eigenen Heimatlandes, aber die bessere Verbindung, Motorboote und Kústen- dampfer, haben auch hier die Wendung zum Besseren herbeigefúhrt. Handels- reisen zu Pferde werden gar nicht mehr unternommen, weil zu kostspielig und zeitraubend, befreundete Familien werden gelegentlich auf dem See- wege besucht. Thoroddsen fand 1886 auf einem einzigen Hofe (Bjamarnes) nur eiue Zeitung, und ögmundur hatte damals von gedruckten Búchem nur die Vídalín-Postille (1718 gedmckt zu Hólar) und Dmcke erbaulicher Werke aus der Insel Viðey kennengelernt. Jetzt trifft man die Schriften der Islándischen Literatur-Gesellschaft und Zeitungen fast úberall. Die Post verkehrt regelmáBig bis Aðalvík und bei Gelegenheit direkt bis Horn; sonst holt man sie sich von Hesteyrarfjörður. Die letzte Telephonstation im Westen ist Amgerðareyri, im Osten Hólmavík. Die „Isoliemngsschicht" 77

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