Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Blaðsíða 15
Thingstátte, wo schon vor iooo Jahren die ersten Siedler und Vorfahren
des heutigen islándischen Volkes ihren Reichstag abhielten, dessen Teil-
nehmer und Vorgánge durch das Besiedlungsbuch „landnámabók", ein einzig
dastehendes geschichtliches Werk, und die islándischen Sagas in allen Einzel-
heiten bekannt sind, wurde am 7. Mai 1928 gegeben und erhielt mit diesem
Tage seine volle Giiltigkeit. Nach dem 1. Januar 1930, anláBlich der groBen
Tausendjahrfeier des islándischen Reichstages (Althing), wird dieses Tausende
von Hektaren umfassende, noch nicht ausgemessene Areal, inmitten einer
herrlichen Hochgebirgsszenerie mit dem gröBten Binnensee des Landes, als
eine fur das islándische Volk geheiligte Státte erklárt, die unter dem Schutz
des Althings steht und niemals verkauft oder verpfándet werden darf. Das
gesamte Gebiet soll in seiner natiirlichen Verfassung unangetastet verbleiben.
Weder Kultivierungen noch Haus- oder Wegebau, keine Elektrizitátsanlagen
oder andere Baulichkeiten diirfen in dem schonungserklárten Terrain vor-
genommen werden. Jegliche Beschádigung durch weidende Haustiere soll
vermieden werden und alle Pflanzen und Tiere, mit Ausnahme derer, die
das geschutzte Gebiet oder die Haustiere der anliegenden Farmer schádigen
können, sollen unter dem Schutz des Gesetzes stehen. Die Verwaltung úber-
nimmt eine vom Reichstage gewáhlte Kommission von drei Reichsboten,
deren Sonderverordnungen vom Ministerium bestátigt werden. Alle unum-
gánglichen Ausgaben fúr den Schutz des Nationalparkes werden von der
Eandeskasse bestritten.
Das sind Taten eines germanischen Stammes, der ein ganzes Jahrtausend
mit den Elementen, mit Not und Tod gerungen und als schönsten Sieg
seine hohe edle Gesinnung gerettet und dazu seine politische Freiheit er-
kámpft hat.
III. EIN DEUTSCHER ALS GOUVERNEUR
AIJF ISLAND UND MITENTDECKER AMERIKAS
ZWANZIG JAHRE VOR KOLUMBUS
Eine Tatsache, die einem Teil unserer Eeser vielleicht unbekannt sein
mag. Doch ist sie das wissenschaftlich gut begrúndete Ergebnis sorg-
fáltiger kritisch-geschichtlicher Forschung. Der dánische Gelehrte Softts
Larsen veröffentlichte es zuerst 1924 in dánischer und spáter in englischer
Sprache. Zwar kannte man schon vor ihm die hier in Frage stehenden
Ereignisse, hatte sie jedoch um etwa 20 Jahre zu spát datiert, und Earsens
Verdienst ist, an Hand dokumentarischer Belege die Zeit richtig bestimmt
Und dadurch eine uns als Deutsche besonders interessierende Episode der
islándischen Geschichte wie es scheint nunmehr endgúltig aufgeklárt zu
haben.
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