Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Blaðsíða 8
ist also lange nicht mehr so stark wie vor 28 Jahren, und selbst die nörd-
lichsten Homstrendingar werden in den allgemeinen Bildungs- und Ge-
dankenstrom hineingezogen.
Der Riickweg von Hom nach unserem Standquartier Staður war un-
gefáhr der gleiche. Neu war aber der Besuch des Hesteyrarfjörður, des
ersten Jökulfjörður an der Nordseite, östlich von Grænahlíð. Die Bucht
wird viel von Fischerfahrzeugen als Liegeplatz bei Sturm benutzt, oder
wenn das Polareis an die Kúste kommt und das Isafjarðardjúp anfullt.
Nach Aussage des Kapitáns kommt das Eis niemals in diesen Fjord, er
schreibt es dem lángs der Nordseite der Gletscherfjorde auslaufenden Strome
zu. Die Handelsniederlassung Hesteyri liegt an der Westseite, súdlich von
der Múndung eines groBen Flusses und záhlt mindestens 16, z. T. grofie
und moderne Háuser; alle unmittelbar am Strande, am FuB eines kahlen
Rúckens. Hier ist neuerdings eine húbsche, weiBe Kirche und die Wohnung
des Distriktarztes. Zehn Minuten vom Fleckchen, ebenfalls auf der West-
seite der Bucht, gerade gegenúber der kleinen vorspringenden Landzunge
Seleyri, liegt eine Walstation. Sie hatte in einer ,,Saison“ fúr 16 000 Kr.
Blauwale erbeutet. Ob sie jetzt noch in Tátigkeit ist, weiB ich nicht. Denn
dem Allthing lag ein Gesetz vor, daB fúr eine Reihe von Jahren absolute
Schonzeit fiir Wale sein soll, um ihre Ausrottung zu verbindern.
n. NATURSCHUTZ UND NATIONALPARKINISLAND
Von Dr. Hellmut Lotz, z. Z. Hvanneyri (Borgarfjord), Island
uf der sagenumwobenen, weltfemen Eis- und Feuerinsel hoch droben
/\am Polarkreis hat unser germanisches Bradervolk, das sich in bereits
tausendjáhriger Verbundenheit mit dem Leben und Weben der Natur, ihrer
unbeschreiblichen Phánomene der Polarzonen und den gewaltigen, men-
schenfeindlichen Elementen eine freie Heimat erkámpft, seit der letzten
Hálfte des vergangenen Jahrhunderts ein modemes Naturschutz-Gesetz ge-
schaffen, dessen Höhepunkt wohl mit der Einrichtung eines Naturschutz-
und National-Parkes im Sommer 1928 erreicht wurde.
Wáhrend auf den Inseln der tropischen Gewásser hauptsáchlich die úppige
Pflanzenvegetation den Menschen zur Besiedlung anregte, ermöglichte in
den nordischen Zonen nur der Reichtum der Tierwelt auf den meist steil
aufragenden Felsen und in den unmittelbar angrenzenden Meeresteilen eine
sichere Existenz ihrer Bewohner. Auch den im 9. Jahrhundert an Islands
Felsenkústen landenden Wikingem, den ersten stándigen Ansiedlern auf
diesem unbekannten Neuland, war hauptsáchlich durch die zahllosen dort
nistenden Wasservögel und die reich besetzten Fischbánke der Kústen die
vorláufige SeBhaftigkeit gesichert. Obzwar sie in ihrer norwegischen Hei-
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