Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Side 7
Ringe unter den Augen hat (mein Island, III, S. 171; Falk-Torp, Norwegisch-
Dánisches Etymologisches Wörterbuch, 1910, I, S. 324). Gláma könnte also
sowohl ein blasses Schneeíeld wie einen mattblauen Gletscher bezeichnen,
oder einen Gletscher oder ein Schneefeld, deren Oberfláche nicht ganz weiB
ist, sondern groBe, schwarze Flecken aufweist.
Eine mythische Oberlieferung von der Gláma gibt es nicht. Glámr wird
in der Edda des Snorri Sturluson (Ausgabe von Finnur Jónsson, Kopen-
hagen 1900, S. 198) unter die Riesen gezálilt, und in der Bárðar saga Snæ-
fellsáss, deren Grundstock Volkssagen bilden, die sich die Bewohner der
Gegend um den Snæfellsjökull von dem Berggeist Bárðr erzáhlten, werden
bei einem Gastmahle der Riesin Hít auch Glámr und A'mr aus den Mið-
fjarðarnesbjörg genannt (Ausg. von Vald. A'smundarson, Reykjavík 1902,
K. 13, S. 32). Glámr muBte also auf der Halbinsel zwischen dem Hrúta-
und Miðfjörður gewohnt haben. Das paBt aber nicht fur die Verkörperung
unseres Schneeriesen, sondern fur den aus der Geschichte vom starken
Grettir bekannten dámonischen Nachtspuk. Die heutige islándische Volks-
sage hat ihn jedenfalls völlig vergessen.
Wenden wir uns zu den áltesten geschichtlichen Belegen, so muB zunáchst
ein kleiner Irrtum berichtigt werden, der. allerdings rein örtlicher Art ist.
Um das Frtihjahr 866 bestieg der Norweger Flóki, den die Erzáhlungen der
beiden ersten Entdecker Islands, des Norwegers Naddoðr und des Schweden
Garðar verlockt hatten, das ferne Land aufzusuchen, von der Barðaströnd
aus einen Berg und sah nördlich jenseits des Gebirges einen Fjord voller
Treibeis und nannte darum das Land I'sland (Eisland), wie es seitdem heiBt.
Die Bewohner der Barðastrandarsýsla glauben noch heute, wie mir mein
Fúhrer Ögmundur Sigurðsson erzáhlte, der úbrigens selbst diesen Irrtum
teilte, daBFlóki die Gláma bestiegen und von hier aus die Fjorde vomBorg-
arfjörður bis zum I'safjarðardjúp úberblickt habe. Aber diese Annahme
ist ganz verfehlt. Einmal ist die Gláma denn doch nicht von Súden im Hand-
umdrehen zu besteigen, vollends niclrt ohne gröBere Vorbereitungen. So-
dann aber hat schon lángst Th. Thoroddsen gezeigt, daB der Berg in der
Náhe von Brjánslækur, von dem aus man Fernsicht hat, kein anderer ge-
wesen sein kann als die Hornatær (740—750 m hoch): von hier aus kann
Flóki auf den Arnarfjörður und die Súdfjorde gesehen haben und vielleicht
etwas vomI'safjarðardjúp (Geschichtederisl. Geographie, úbersetztvon August
Gebhardt 1,1897, S. 22, 23; Thoroddsen, Geogr. TidskriftBd. 22,1914, S. 206).
Zum ersten Male wird die Glámuheiði in der von 995—1030 spielenden
„Geschichte von den Schwurbrúdern" erwáhnt (Fóstbræðra saga, Kopen
hagen 1852, K. 10, S. 34): Der Skalde Þormóðr, Schwurbruder des Þorgeirr
Hávarsson, mit dem er unter dem Rasen den Blutsbrúderbund geschlossen
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