Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Side 9
mit 90 bewaffneten Rittern iiber die Gláma (Safn til sögu I'slands II, 627;
Storm, Islandske Annaler, Christ. 1888, S. 424).
Aus diesen Zeugnissen geht einmal hervor, dafi der sogenannte Glámuvegur
iiber den Nordrand der Gláma von den Seitenfjorden des I'safjarðardjúp
nach dem Arnarfjörður fast 400 Jahre lang im Gebrauche War, und zweitens,
dafi der Name Glámujökull (Gletscher) noch nicht bekannt gewesen zu sein
scheint. Wann diese Bezeichnung aufgekommen ist, vermag ich nicht zu
sagen; vielleicht áufiern sich die Islandfreunde, vor allem Herr Professor
Thoroddsen gelegentlich dariiber.
Auch die folgende Ubersicht bedarf sicherlich der Nachsicht und Ergán-
zung, mir stand im wesentlichen nur Thoroddsens Landfræðissaga I'slands
Bd. III, IV zur Verfiigung. In dem grofien Reisewerke úber Island schreiben
Eggert O'lafsson und Bjarni Pálsson, die 1753 den Arnarfjörður besuchten,
(Olafsen und Povelsen, deutsche Obersetzung 1774/5 S. 202, § 550): „Gláma
liegt im Isefjords-Syssel und reicht gegen Siiden an die Grenzen von Barder-
strands-Syssel; er (!) steht also iiber und zwischen dem Innersten von
Arnarfjord und Isefjord. Uber diesen Berg ist ein langer und beschwerlicher
Felsenweg, gröfitenteils iiber Eis, Glamu-Heide genannt, angelegt." Eggert
und Bjarni lialten also die Gláma fúr einen Gletscher, gebrauchen aber nicht
den Namen Glámujökull. Auf der Karte von Erichsen und Schöning aber,
die ihrem Buche vorangesetzt ist (1771), fúhrt die Glaama Heyde von Mjófi-
Fjörður in kúhnem Schwunge nw. nach dem Dýrafjörður und bei'iilrrt nur
ein ganz kurzes Stiick den Glaama Jökull. O'lafur O'lafsson besuchte 1775
auf seiner ersten Islandfahrt die Westfjorde und schreibt von der Gláma
(Olaus Olavius, ökonomische Reise durch Island, deutsch 1787, S. 20, § 14):
„Den Mioe- und Isefiord verbindet der sehr beschwerliche Bergweg Heste-
kleif ... die Glame, welche meist aus Jökel, oder Landeis besteht, geht vor
den Enden aller vorgenannten [d. h. I'sa-, Reykjar-, Vatns- und Mjófifjörður]
Meerbusen vorbei und fiihrt zum Önunde-, Dyre- und Arnefiord."
Als im Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine Triangulation der
islándischen Kiiste von dánischen und norwegischen Offizieren unternommen
wurde, reiste Leutnant Hans Frisak Mitte Juli 1806 vom inneren Dýra-
fjörður úber die Gláma nach dem I'safjörður; die „lautenantavarða'*
(Leutnantswarte), ein trigonometrisches Signal auf dem Sjónfríð („Belle-
vue"), einer Höhe oberhalb des Arnarfjordpasses, die noch heute besteht,
soll damals von ihm errichtet Worden sein. Im Jahre 1809 wiederholte Frisak
von der Eisbuchttiefe aus seinen Besuch der Gláma, traf aber Nebel und
unsichtiges Wetter (Thoroddsen III, S. 264, 270, 271). Japetus Steenstrup
und Jónas Hallgrímsson fuhren 1840 von Bíldudalur úber See nach Rafns-
eyri und dem innerenDýrafjörður; von da ritten sie „úber den hohen und
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