Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Blaðsíða 14
das ganze Westland, nordöstlich der Drangajökull, siidwestlich Snæfells-
jökull, im Osten der Eiríksjökull . . .“ Stefán konnte einige Gráser und
Moose auf dem Sjónfríð sammeln, die den Beweis lieferten, daB niemals
dauernd Schnee oder Eis hier gelegen haben können und kam daher zu dem
Scblusse, daI3 der Glámugletscher von der Karte zu streichen wáre (vgl.
die islándische Zeitschrift Sldrnir, Bd. 84, 1910, S. 34—39; ebenda Thorodd-
sens Antwort S. 138—140). Unabhángig von ihm kam Heinrich Winkel,
allein auf Grund 'von Thoroddsens Angaben, zu der Uberzeugung, daB die
Gláma kein Gletscher wáre: sie habe keine Bewegung, keine Spalten und
Risse, die Gletscherzungen fehlten, und von ihr gingen keine Gletscherfliisse
aus; darum sei sie kein Gletscher, sondern nur eine Ansammlung von Schnee,
also ein gewaltiges Firnfeld (Mitteilungen der Islandfreunde I, 1914. S. 45).
Die Gláma ein Gletscher oder ein Firnfeld — das ist also jetzt die Frage.
Oder ist gar die Nordseite schon sehr lange Zeit nicht mehr von Eis oder
Firnfeld bedeckt gewesen ? Hat vielleicht das Nichtschmelzen des Winter-
schnees in einer naBkalten Periode den Irrtum hervorgerufen ?
Dem Wunsche Prof. Herrmanns entsprechend, seine Abhandlung iiberdie
Gláma durch Angaben aus dem Kreise der Islandfreunde wenn möglich
hier und da erweitert zu sehen, folgen hier zunáchst zwei Notizen, die
uns H. Erkes, Köln, iibersandte:
1. „Nach meinen Erkundigungen sind tatsáchlich die Bauern aus dem
Mjóifjörður manches Mal iiber den „Gletscher" gestiegen, ohne iiber Eis
oder Firn zu kommen, vielmehr fanden sie auf dieser Höhe nur Gestein,
und zwar die uberall im Nordwesten Islands vorkommende, von Frost
zersprengte Basaltdecke vor. Nur nach strengen Wintern und in kalten
Sommern bleibt der Schnee auf der Glámadas ganze Jahrhindurchliegen."
2. Die Karte Knopfs von 1734 (herausg. in Nurnberg 1761) scheint die
erste Karte mit der Bezeichnung Glama Jokul zu sein; diese Karte stútzte
sich auf die sog. Guðbrands Karte, die vom Bischof Guðbrandur þorláksson
um 1570 gezeichnet, 1585 angeblich von Ortelius gestochen und dem Orte-
lius-Atlas 1595 unter dem Namen Vedels (A. Vellejus) beigefiigt wurde.
Auf letzterer Karte steht etwas rechts von „Glama" in kleinerem Druck
„Perpetuae nives"; da perpetuae nives manchmal dem islándischen Worte
jökull gleichgesetzt wurde, so láBt sich vermuten, daB die (vielleicht un-
beabsichtigte) Nebeneinanderstellung vom Glama Perpetuae nives die Ver-
anlassung zur Bezeichnung Glámujökuil zunáchst in der Knopfschen Karte
gab, von wo sie wahrscheinlich in die nach Knopf ausgeíuhrte Karte von
Erichsen & Schöning, und schlieBlich allgemein in die Literatur und den
Sprachgebrauch iiberging.
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