Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Blaðsíða 3
rung der islándischen die Genehmigung erteilt, iiber die Versorgung mit
Nahrungsmitteln mit der enghschen Regierung uumittelbar sich zu verstán-
digen, ihr also wenigstens in einem bestimmten Falle das ius legationum
und ius tractatuum eingerámnt, ein Vorgang, der nicht ohne Folgen bleiben
kann. Die Bedeutung dieses Ereignisses tritt in mn so heheres Dicht, wenn
inan dem gegeniiberhált, daC der Amtmann auf den Fáröern ein áhnliches
Vorgehen der Fáringer, die mit einem Bittgesuch an die englische Regierung
sich wenden wollten, unterdriickt und sich, d. h. der dánischen Regierung,
ein Vertrauensvotum liat erteilen lassen.
Dafi fiir Island andere Verháltnisse eingetreten sind, als sie friiher Dáne-
mark gegeniiber bestanden, daran erinnert auch der Tod des letzten dánischen
Randshöfðingi auf Island, Magnús Stephensen; diese Stellung war 1874 mit
der neuen Verfassung geschaffen worden und war der unter Verantwortung
des (dánischen) Ministers fiir Island (zugleich des Justizministers) stehende
Tráger der höchsten staatlichen Gewalt auf Island. Damit, dafi die Iusel
im Jahre 1903 eine neue Verfassung bekam, die einen eigenen islándischen
Minister mit dem Wohnsitz in Reykjavík vorsah, fiel diese Stellung weg.
Magnús Stephensen hat sich als Altingsabgeordneter auch spáterhin Ver-
dienste um die Insel erworben. Herbst igiy
Island macht jetzt1 schwere Zeiten durch. Nachdem zu Anfang des Krieges
die Insel durch die steigenden Preise fiir ihre Erzeugnisse ausgezeichnete
Gescháfte gemacht hatte, ist infolge der Abschnurung des gesamten Handels
mit allen an der Nordsee gelegenen Dándern durch England bittere Not auf
Island eingekehrt. Da die Insel nunmehr einerseits sich ganz auf den Ver-
kehr mit England angewiesen sah, andererseits die ftir das nordische Dand
unbedingt notwendige Einfuhr nur noch in Amerika zu liolen war, nútzten
die an sich wenig zahlreichen dánischen und norwegischen Schiffe, die den
Verkehr vorztiglich mit diesen Eándern vermittelten und unter den vorlie-
genden Schwierigkeiten bei dem so stark beschránkten Handel die Beförde-
rungspreise ftir Waren und Personen wesenthch erhöhten, die Zahl der Fahr-
ten aber stark einschránkten, imrner weniger, und die einzige Rettung (aufier
einigen kleineren Kohlen- und sonstigen Warenschiffen, die Handelsháusern
gehören) waren die beiden Schiffe der 1913 gegrtindeten islándischen Dampf-
schiffgesellschaft. Nachdem das eine dieser beiden Schiffe im Nordwesten
der Insel gestrandet war, gelang es einen Ersatz daftir in Dánemark zu kaufen;
auch hat die islándische Regierung sich redlichst bemtiht, noch einige kleine
Dampfer zu mieten oder zu kaufen, wozu sicli in Nordamerika Gelegenheit
íand. So war die schlimmste Gefahr ftir den Augenblick abgewendet; so-
wohl ftir den meist nach England und Amerika gehenden Fernverkehr, als
1 Aus dem Untcrhaltungsblatt zur,,Tágliclien Rundschau“, No. 203, vom 30. August 1917.
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