Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Side 20

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Side 20
Er gibt zuerst einen geographischen und geschichtlichen tJberblick iiber die Inseln mit Erklárung einzelner geographischer Namen. Dann folgt eine ausfuhrhche Schilderung der Bevölkerung, ihrer Siedelungen und wirtschaft- lichen Tátigkeit, ihrer Volkslieder und Tánze, der Sitten und Gebráuche. In einem gröBeren Abschnitt wird die Grammatik der fárischen Sprache behan- delt. Diese steht zwischen der islándischen und der neunorwegischen Sprache, grammatikalisch náher dem Islándischen, in Aussprache und Wortvorrat náher dem Norwegischen. Im Gegensatz zu Island, wo sich die lieimische Sprache bis heute als herrschend erhalten hat, ist das Fárische in der Haupt- sache nur noch eine gesprochene Sprache und das Dánische ist auf den Fáröern schon seit derReformationúberwiegendKirchen-, Rechts- und Unter- richtsspraclie. Auch siud in der heutigen fárischen Spraclie viele dánische Wörter und Wendungen enthalten. In alter Zeit war die fárische Schrift- sprache dieselbe wie auf Island und in Norwegen, aber seit dem 16. Jahr- hundert fehlt fast jede Spur fárischer Haudschriften. Erst in neuester Zeit hat die Zahl der fárisch geschriebenen Bucher wieder zugenommeu. Die ver- schiedenen Dialekte der fárischen Sprache zwangen den Verfasser, eine ety- mologische Rechtschreibung zu wáhlen, die auch von anderen Schriftstellern úbernommen wurde. Spáter versuchten Jakobsen und Earsen, eine ueue Normalschriftsprache aufzustellen. Der Hauptteil des Buches enthált 39 Eieder (Kvæðir) und viele Prosa- stúcke. Diese bestehen aus Sprichwörtern, Rátseln und 34 Sagen, die gröBten- teils von Nordösterö und Nordströmö stammen. Dann folgen einige Kapitel Bibelúbersetzuugen ins Fárische und xo Erzáhlungen aus dem Volksleben. Den SchluB bilden Proben der verschiedenen Rechtschreibungen álterer Schriftsteller und ein Versuch Jakobsens, Eautscliriftproben des Súdströmö-, Norderö- und Söndenfjordsdialekts aufzustellen. Der 2. Band enthált ein alphabetisches Wörterbuch der fárischen Sprache und ein Register der in der fárischen Anthologie, im Sjurðar kvæði und in anderen fárischen Eiederu vorkommendeu Personen- und Ortsnamen. Ja- kobsen, der unter groBen Schwierigkeiten dieses erste fárische Wörterbuch bearbeitet liat, kam schon in jungen Jahren uach Dánemark und hat nur auf einigeu Ferienreisen seine Heimat wieder besucht. Die Bearbeitung des Wörterbuches zwang ihn zu einer halbjáhrigen Bereisung der Fáröer, auf der er reiches Material fúr ein Wörterverzeichnis sammeln konnte. Es sei liier erwáhnt, daB Pastor A. C. Evensen in Sand auf Sandö ein neues, bedeutend ausfúhrlicheres Wörterbuch der fárischen Sprache herausgegeben hat (Fæ- roysk Orðabók, Tórshavn 1906, Bókastovn ,,Fram“), das aber nur bis zum Worte „for“ vorliegt. Eeider ist weuig Aussicht, daB dieses Unternehmen von ihm zu Ende gefúhrt werden kann. 52

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