Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Blaðsíða 7

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lieichtfertigkeit ist hier keine Rede. Wenn etwas heichtfertiges in diesen Kriegszeiten geschah, dann war es das, den kriegfuhrenden Völkern um eige- nen Gewinnes willen Waffen tnid Munition zu verkaufen. Besondere Beachtung verdient in der Rede Wilsons, daJ3 er fiir das Selbst- besthnmungsrecht der Nationen, die Reclite und die Freiheit der kleinen Völker und einen dauernden Frieden kánrpfen wolle. Ich zweifle nicht daran, daB diesen Worten groBe Bedeutung beigemessen werden wird, falls die En- tentemáchte die Friedensbedingungen bestimmen. Wir können dann er- warten, daB die Bewohner von Island, Persien, Armenien, Irland, der Bal- kanhalbinsel, Schleswig, des ElsaB, Lothringens usw. befragt werden, wie und von wem sie regiert werden wollen, ebenso, daB die Wiinsche der Bewohner von österreich und Deutschland in dieser Beziehung beriicksichtigt werden, und das um so mehr, als die Entente das Námliche oft in Aussicht gestellt hat. Wir können dann erwarten, daB in Europa ein Staatenverband mit voller Selbstándigkeit fúr alle Völker, mit einem Heere und einer höchsten Gerichtsinstanz entstehen wird — denu nichts anderes kann den Frieden sichern. Wenn alle diese Versprechungen gewissenhaft gehalten werden, will ich der Erste sein, Herrn Wilson und die Entente zu segnen. Aber — zuerst will ich sehen, ob alle diese schönen Versprechungen gehalten werden oder nicht — nur dazu benutzt, um Krieg und Schandtaten zu verschönern. Wir Islánder stehen alle den groBen Kulturvölkern, die jetzt miteinander kámpfen, mit groBer Dankesschuld gegenúber und erkennen gern ihre Lei- stungen und Vorzúge an. Gegen kein Volk hegen wir feindliche Gedanken. Vor dem Kriege waren dieMeinungen sehr geteilt, wem der Vorrang zukomme, alle waren sie máchtig und hatteu viel GroBes geleistet. Als aber der Krieg kam, trat es klar zutage, daB eines dieser Völker die anderen so sehr an Kraft, Organisation und Kluglieit úbertraf, daB all die anderen zusammen dieses Volk und seine Verbúndeten uicht bezwingen konnten. Dieses riesenhafte Volk waren unsere Verwandten, die Deutschen. Man könnte von ihnen sagen wie Runeberg von den Finnen: Gegen Schwert und Hunger und Feuersglut Sie unbesiegbar kámpften! Vör dem Kriege bewunderte die ganze Welt die deutsche Wissenschaft, Industrie, Kunst; die deutsche Túchtigkeit auf allen Gebieten, die Fort- schritte des Laudes und des Volkes. Die Einwohnerzahl stieg von 1871 bis 19x4 von 40 Millionen auf 68 Millionen, die Ernte um 50 v. H. bis 80 v. H., der Viehbestand von 25 v. Ií. bis 72 v. H. Die Industrie blúhte in einern geradezu beispiellosen Grade auf, der Handel mit dem Ausland stieg von 5 Milliarden auf 22, die Handelsflotte von 1 Million l'onnage auf 3, die Eisen- bahn vermehrte sich um das Dreifache. Zugleich wurde Unterricht, Gesetz- 39

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