Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Page 3

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Gemeindeweiden nach Horn geht. tlber meterhohe „Sumpfstauden" stehen hier kerzengerade und strecken ihre groBen Blátter und die dicken, weifien Köpfe hoch iiber das umgebende Gras. Eine hiibsche, wenig bekannte, weil an verborgener Stelle aufgezeichnete Geschichte (Flateyjarbók II, S. 159; abgedruckt in der Reykjavíker Ausgabe der Fostbr. s. 1899, S. 125, 126) wird von diesen stolzen Stauden und den beiden Schwurbriidem erzáhlt1: Dies tmg sich zu im Friihjahr danach, daB Þorgeirr und Þormóðr nach Strand hiniiber zogen und bis zum Horn hinaus. Und eines Tages gingen sie nach der Felswand, um Engelwurz zu sammeln, und auf einem Grasfleck, der seither Þorgeirsfleck heiBt, schnitten sie eine Menge Engelwurz. Þor- móðr muBte es hinauftragen, aber Þorgeirr blieb zuruck. Da kam die Erde unter seinen FiiBen ins Rutschen. Er, nicht faul, umklammerte einen Engel- wurzstengel mitsamt dem Kraut und faBte danach bis zur Wurzel hinab: sonst wár er hinuntergefallen. Es war dort sechzig Klafter tief bis zu den Blöcken am Wasser. Hinaufschaffen konnte er sich aber nicht, und so hing er dort und wollte doch um keinen Preis den Þormóðr zu Hilfe rufen, dann schon lieber hinunterfallen; der Tod war ihm dann freilich sicher, das wuBte er. Þormóðr wartete droben am Fluhrand, denn er dachte, Þorgeirr werde heraufkommen. Aber als ihm war, Þorgeirr bleibe viel lánger aus, als mit rechten Dingen zugehe, da stieg er hinab in den Kamin. Er rief nun und fragte, warum er immer nicht komme, ob er denn nicht genug habe von dem Kraut. Þorgeirr antwortete, ohne daB seine Stimme zitterte noch sein Herz bangte: „Ich glaube,“ sagte er, „dann habe ich genug, wenn das da heraus ist, wo ich anfasse.“ Da kam dem Þormóðr der Verdacht, er könne wohl nicht, wie er wolle: er stieg auf den Grasfleck hinunter und sah, was es geláutet hatte: daB Þorgeirr am Abstiirzen war. Da faBte er nach ihm und riB ihn herauf: die Engelwurz war schon ziemlich herausgezerrt. Dann gingen sie zu ihrem Haufen. Das aber kann man aus dieser Geschichte sehen, daB Þorgeirr keine Furcht kannte und keine Todesangst, und in den meisten Lagen hat er sich mann- haft gestellt, dank seiner Kraft und Tapferkeit und seiner Tiichtigkeit nach allen Seiten. Die Geschichte ist gar nicht unglaubwiirdig. Eggert 'Olafsson erzáhlt z. B. vom Þaralátursfjörður (§ 633): Bergengelwurz bietet der Macht des Wassers, der Winterkálte und den Wirkungen des Eisberges Trotz. Sie ist hier das einzige Gewáchs; sie hat aber auch allenthalben so starke Wurzeln gefaBt, daB das hinanströmende Wasser mit den abgebrochenen Eisschollen, Lehm und Steinen nicht vermögend ist, ihr zu schaden. 1 Diese Episode ist weder in „Thule" nooh in „Bauern und Helden", noch ílberhaupt je tibersetzt. Andreas Heusler hat die Freundlichkeit gehabt, sie för mich zu iibertragen. 7* 75

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