Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Page 16
Zum genaueren Verstándnis miissen wir auf einige Verháltnisse des
15. Jahrhunderts zuriickgehen. Island unterstand damals dem dánischen
König; ebenso theoretisch Grönland, das jedoch seit langem nicht mehr
besegelt worden und sozusagen verschollen war. Christian /., der von 1448
bis 1481 regierte, wiinschte nun das in Vergessenheit geratene Tributland
Grönland wieder auffinden zu lassen. Hauptbeweggrund mag fiir ihn die
NeuerschlieBung einer ehemaligen Steuerquelle gewesen sein, die Grönland
einst — seit 1261 — zunáchst fur Norwegen und dann fiir Dánemark war.
Hinzu kam dann ein starkes Drángen von Seiten des Königs von Portu-
gal Alphons V., der 1432 geboren, von 1438—1481 regierte und zwar zu-
náchst unter der Vormundschaft seines Oheims Heinrich des Seefahrers,
der bis 1460 lebte. Dieser verfolgte den gewaltigen Plan, fiir Portugal den
Seeweg sudwárts um Afrika herum nach Indien und weiter nach China
zu finden. AuBerdem aber war er theoretisch iiberzeugt, daB noch ein
zweiter, kiirzerer Weg nordwestlich quer uber die Erdkugel nach Asien
möglich sein miisse. Um diesen zu entdecken, suchte er Verstándigung mit
dem dánischen König, als dem wenigstens nominellen Herrscher iiber die
nordischen Meere. Der Plan kam bei Heinrichs Lebzeiten nicht zur Aus-
fiihrung; doch nahm Alfons V. ihn auf und verhandelte auf diplomatischem
Wege mit Christian I. wegen einer gemeinsamen Unternehmung nach dem
Norden.
Wáhrend des 15. Jahrhunderts trieben die Englánder sowohl Fischfang
in den reichen Fischgrúnden in der Náhe der islándischen Kusten, als auch
nennenswerten Handel mit Island. Hierfúr verlangte der dánische König
die Lösung von Erlaubnisscheinen und gewisse Abgaben; doch die meisten
Englánder entzogen sich der Zahlung und König Christian I. besaB nicht
die Macht, um den Englándem mit mehr als papierenen Einsprúchen ent-
gegenzutreten. Diese Sachlage benutzten einige abenteuemde Seefahrer,
um ohne dánisches Eingreifen gegen sie, auf eigene Faust einen Kaper-
krieg gegen die englischen Hándler zu fúhren; sie fanden auch bei der islán-
dischen Bevölkemng Sympathie und Unterstútzung, weil die Englánder in
vielen Fállen die Islánder hart bedrúckten, die Kústen plúnderten und sich
zahllose Grausamkeiten zuschulden kommen lieBen. Als die Englánder so-
gar den Statthalter auf Island, Björn Thorleifsson, im Jahre 1467 ermor-
deten, hielt es König Christian fúr nútzlich, zum Schutze Islands die túch-
tigsten Kaperer oder Freibeuter in seinen Dienst zu stellen. Unter diesen
Freibeutern werden besonders zwei hervorgehoben, die beide von deutscher
Abstammung waren, Dieirich Pining und Hans Pothursl. Diese beiden mit
den nordischen Gewássern wohlvertrauten Kaperkapitáne veranlaBte denn
König Christian I. auch, die mit dem portugiesischen König vereinbarte
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