Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Síða 18
ein Sohn des Kaperkapitáns; er kam nach Deutschland zuriick und es heiBt
von ihm, er sei im Jahre 1522 Biirgermeister von Hildesheim gewesen.
So ist die islándische Geschichte des 15. Jahrhunderts und die von Island
aus erfolgte Entdeckung Amerikas 20 Jahre vor des Kolumbus Landung
auf den Antillen, wenn auch noch so lose, mit Deutschland verbunden.
Heinrich Erkes
IV. DER ALTAR
Von Friðrik 'Asmundsson Brekkan
I
Die Erde war soeben erschaffen und lag trkumend in den Armen des Schðpfers.
Er betrachtete sie aufmerksam und láchelte uber diesen seinen Gedanken.
Dann lieB er sie fortgleiten, und sie zog ihre Bahn in die Spháren des Himmels.
Sie war voller Angst und Schrecken, denn sie furchtete sich vor dem unendlichen,
dunkeln und kalten Weltenraume, in dem sie sich befand. Neuerschaffen, glúhte sie
noch von der Kraft des Schöpfers. Sie húllte sich in weifien Nebel, und das Feuer,
das sich in ihrem Herzen verbarg, wogte empor und brach aus tausend Kratern.
Der Weltenraum aber war eisigkalt, und die Erde zog sich zusammen in ihrer Not,
bekam Furchen, und es formten sich hohe Berge und tiefe Táler. —
In Furcht und Schrecken vergoB sie viele Tránen. Sie rannen zusammen und wurden
zu starken, reiBenden Strömen, ruhigen Fluten, groBen Meeren und sanften Binnen-
seen. ...
Wer aber vermag die tiefe, zitternde Freude zu beschreiben, als die Erde merkte,
daB Gott ihr in Gnaden nachgeschaut und sie fruchtbar gemacht hatte, als sie zum
ersten Male spúrte, wie die Keime des Lebens sich in ihrem SchoBe regten, und aus ihm
schwarze Erde geboren wurde.
So unsagbar war ihre Freude, daB sie Feuerregen aus allen Kratern und heiBe Regen-
schauer aus allen Wolken strömte. Dann aber kam ihr der Gedanke, daB ihr jetzt
auch Pflichten auferlegt waren. Ihr Freudenúberschwang konnte dem Leben, das sie
geboren hatte, gefáhrlich werden. Und das Leben, das fúhlte sie, war ihr edelstes Gut.
Und sie, die so kleinmútig und verzagt gewesen war, blickte jetzt mutig in die Sphá-
ren des Himmels — unter keiner Bedingung wollte sie das Leben verlieren, das Gott
ihr gegeben hatte.
Nun war sie Mutter! Lasten legte sie úber das Feuer in ihrem Herzen, Berge úber die
Krater, um dem Feuer zu wehren, das Leben zu verbrennen. Deshalb versuchte sie,
sich in allem nach dem zu richten, wessen das Leben bedarf.
Sie lauschte auf die Herzschláge des keimenden Lebens in ihrer fruchtbaren Erde
und erfaBte staunend die Entwickiung, die niemals ein Ende nimmt, solange Mutter
Erde fruchtbar ist, und Leben sich aus ihrem SchoBe entfaltet.
. . . Millionen Jahre kamen und Millionen Jahre gingen, und durchdrungen von
Seligkeit glitt Mutter Erde im Traumnebel immer noch durch das Meer der Him-
melsspháren. —
Nach und nach jedoch lichtete sich der Nebel, der die Erde umgab. Sie sah den
Sonnenball. Er wurde ihr Geliebter, und sie zeigte ihm ihre Kinder. Und die Sonne
wunderte sich darúber und hatte ihre Freude daran.
Das Leben vermehrte sich, wurde reicher, verschiedenartiger, vollkommener von
Jahr zu Jahr. — Eine Art entstand und folgte der anderen, breitete sich aus in viele
Zweige, und viele neue Arten kamen. — Das Leben schien unendlich zu werden, und
alles, das Geringste wie das Gröfite, strebte ein und demselben Ziele zu: dem der gánz-
lichen Vollkommenheit, die die Ewigkeit alinen láBt. — Alles, klein und groB, hatte
einen Funken göttlichen Lebens als Erbe erhalten — die Ewigkeitssehnsucht—, die sich
immerwáhrend erneut mit jedem írischen Leben durchdenWechsel der Jahrmillionen.
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