Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1929, Blaðsíða 23
verschiedene Stil der Quellen verloren, und man kann auch manchmal zweifeln, ob
man bei álteren und jiingeren Quellen dieselbe Auswahl getroffen hátte. Aber das
steht in zweiter Linie, da es eben nicht darauf ankam, das Ursprönglichste wissenschaft-
lich festzustellen. So werden wir uns auch einige in seinen Stil umgesetzte Eddalieder
u. dgl. gefallen lassen. Ein populares Buch von solcher Vollstándigkeit iiber diesen
Stoff hatten wir bisher nicht, und man darf annehmen, daC es einem Bedurfnis ent-
gegenkommt; denn wenn nicht alle Zeichen trúgen, ist auch bei uns in Deutschland
die Neigung zum germanischen Altertum im Zunehmen, und da wird man gern zu den
nordischen Mythen und Sagen greifen und sich erzáhlen lassen, was wirklich uber-
liefert ist.
Das schöne Gewand, das der Verleger dem Buche gegeben hat, sei nocli rúhmend
hervorgehoben. W. H.
2. OTTO SIGFRID REUTER. Oddi Helgason und die Bestimmung der Sonnen-
wenden im alten Island. Aus der Festgabe fúr den 7ojáhrigen Gustaf Iíossinna (Mannus,
6. Erg.-Bd.). Leipzig 1928.
Die sehr interessante geschichtlich-astronomische Abhandlung versucht den Nachweis,
daB der Islánder Oddi Helgason, dessen Name u. a. aus der Rímbegla und dem Stjörnu
Odda draumr als „Stern-Oddi" bekannt ist, ums Jahr 1000 auf der Insel Flatey in
Nordisland zwischen Eyjafjörður und Skjálfandi erstaunlich genaue astronomische Mes-
sungen ausfúhrte, die der spáteren kirchlichen Astronomie des Abendlandes erheblich
úberlegen waren. Eine Fortsetzung seiner Darlegungen stellt Reuter in Aussicht.
H. E.
3. STUDENTABLAÐ X924—1928.
Das vom „stúdentaráð háskóla 'lslands" herausgegebene Studentenblatt erschien
in Reykjavík vom x. Dezember 1924 bis zum 1. Dezember 1927 jáhrlich einmal als
Einzelnummer, im Jahre 1928 dagegen fúnfmal, und soll in Zukunft jáhrlich neunmai
herauskommen. Das letzte Heft vom 1. Dezember 1928 war als Festnummer dem zehn-
jáhrigen Geburtstag des neuen Staates Island gewidmet; besonders bemerkenswert
ist das einstimmige Verlangen, daB Island, sobald die staatsrechtlichen Verháltnisse
es gestatten, auch das noch bestehende schwache Band mit Dánemark endgúltig lösen
und dann als uneingeschránkt freies Land wie zur groBen Zeit des altislándischen Frei-
staats dastehen möge. H. E.
4. JON DUASON, Grönlands statsretslige Stilling i Middelalderen. Oslo 1928.
218 S.
Der Verf. behandelt die oft erörterte Frage, ob das mittelalterliche, von Island aus
entdeckte und besiedelte Grönland vor seinem Ubergang an Norwegen (1261) ein selb-
stándiger Staat oder ein staatsrechtlich und tatsáchlich zu Island gehöriges Land,
d. h. ein islándischer Kolonialbesitz war; er vertritt die letztere A.nschauung. Zu dem
schwierigen, ziemlich verwickelten und vielumstrittenen Gegenstande selbst láBt sich
hier unmöglich ausfúhrlich Stellung nehmen, — persönlich glaube ich allerdings, ohne
dem entscheidenden Urteile der Fachkreise irgendwie vorgreifen zu wollen, Dúasons
Auffassung nicht teilen zu können; doch verdient das mit umfassenden Keiintnissen
und auBerordentlich interessant geschriebene Werk mit seinen reichhaltigen Angaben
und Quellenbelegen tiber die altislándischen Staats- und Rechtsverháltnisse, das Goden-
tum, das Wesen des Althing, auch úber die grönlándische Entdeckungs- und Besied-
lungsgeschichte usw. starke Beachtung, und sein eingehendes Studium ist unter allen
Umstánden wertvoll und dringend zu empfehlen. H. E.
5. MADS ANDREAS JACOBSEN og CHRISTIAN MATRAS, Föroysk-donsk orðabók.
Tórshavn (Felagið Varðin) 1927/28. 469 S.
Ums Jahr 1773 begannen die beiden Fáringer Jens Christian Svabo und Nicolai Mohr
ihre Sammlungen fárischer Wörter, aus denen ein Jahrhundert nachher die Dánen
Svend Grundtvig und Jörgen Bloch die Handschrift des nie imDruck erschienenen „Lexi-
con Faeroense" 1887—88 zusammenstellten. Derfárische Sprachgelehrte Jakob Jakobsen
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