Rit (Vísindafélag Íslendinga) - 01.06.1933, Blaðsíða 7
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Trondheim in Norwegen. In Island war die Finsternis er-
heblich, jedoch nicht total. Am wahrscheinlichsten ist, dass es
sich hier um eine in Norwegen gemachte Beobachtung han-
delt. Snorri Sturluson erwahnt in der Heimskringla diese Fin-
sternis ebenfalls, seine Quelle jedoch ist zweifelsohne Agrip.
1131. Eclipsis solis fada est iii kal. Aprilis (30. Marz)
quasi ora. (Res. Höy. Gott. Lög. ohne Datum).
Diese Sonnenfinsternis war total in den Westfjorden (Is-
land) und ist richtig datiert. Laut Nat. Beckman1) besteht
die grösste Wahrscheinlichkeit, dass es sich hier um eine
islandische Beobachtung einer Sonnenfinsternis handelt. Das
legt Zeugnis dafiir ab, dass man ir Island so fruhzeitig
begonnen hatte, verschiedene Ereignisse aufzuschreiben, die
bemerkenswert erschienen, und dass man sie richtig datieren
konnte. Das ist nicht so erstaunlich; denn gerade zu jener Zeit
schrieb Ari Fróði das Islanderbuch.
1157. Myrkur hið mikla. (Reg Flat. Lög). »Die grosse
Finsternis.*
Die vier Sonnenfinsternisse, die in diesem ]ahre eintraten,
waren alle parliell und keine von ihnen war hier auf Island
sichtbar. Wenn die Jahreszahl richtig ist, so kann es sich
nicht um eine gewöhnliche Sonnenfinsternis handeln. Þorvald-
ur Thoroddsen2) scheint der Ansicht zu sein, dass diese Ver-
finsterung vom Ausbruch der Hekla herriihrte, der am 20.
Januar dieses Jahres begann, und diese Vermutung scheint
nicht von der Hand zu weisen, vorausgesetzt, dass der Aus-
bruch der Hekla nicht ein Jahr spater stattfand, also im Jahre
1158, wie die Annalen angeben.
Doch könnte es sein, dass man sich hier um zehn Jahre
in der Jahreszahl geirrt hat. Im Jahre 1147, am 26. Oktober,
war hier eine ringförmige Sonnenfinsternis bei Sonnenauf-
gang. Der Irrtum konnte dadurch zustande kommen, dass ein
X aus der Jahreszahl MCXLVII fortgefallen war, und sie so
zu MCLVII 1157 wurde. H. Hoht3) bemerkt, dass islan-
1) Xenia Lideniana, S. 18.
2) Die Geschichte der islandischen Vulkane, Kbhvn. 1925, S. 149.
3) Historisk Tidskrift, Oslo, 1927, S. 34.