Rit (Vísindafélag Íslendinga) - 01.06.1933, Page 15
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das auf rote Protuberanzen hinweisen, die auf alles einen
roten Lichtschein geworfen haben, solange die Finsternis to-
tal war. Doch die Annalen erwahnen, dass die Farbe bis
zum Abend hindurch gesehen wurde. Die handgreiflichste
Erklarung ist dann die, dass die Leute wahrend der Fin-
sternis so sehr in die Sonne geschaut haben, dass sie ge-
blendet waren und ihnen nachher alles rot erschienen ist. Am
7. Juli war der zyklische Mond 28 Náchte -alt, sodass auch
dies mit den Annalen iibereinstimmt.
1342. Eclipsis lune. (Flat.).
In diesem Jahre waren totale Mondfinsternisse vom 20,—
21. Mai und am 13. November. Hier wird es sich kaum um
die erstere Finsternis handeln, denn zu diesem Zeitpunkt war
der Mond niedrig am Horizont und es war helle Nacht.
1424. Varð eclipsis solis víða um Island nær Jónsmessu
baptista (Nýi).
»Um die Zeit der Messe Johannes des Táufers trat eine
Sonnenfinsternis weit uber Island ein.«
Der Tag Johannes des Táufers fállt auf den 24. Juni, und
diese Finsternis fand statt am 26. Juni. Sie war total im
siidwestlichsten Island.
1572. Formyrkvaðist tunglið á einum miðvikudegi, þann
25. Junii. 4 stundir (Skarð.).
»Es verfinsterte sich der Mond an einem Mittwoch, am
25. Juni. Vier Stunden.«
Es ist allerdings richtig, dass an diesem Mittwoch eine
partielle Mondfinsternis stattfand, doch konnte man hier von
Island aus die Finsternis nicht wahrnehmen, und ausserdem
war die Finsternis nur unbedeutend. Etwas mehr als ein
Drittel vom Monddurchmesser war verdunkelt, so dass man
ihr auch im iibrigen Europa kaum grosse Aufmerksamkeit
geschenkt haben wiirde, wenn man sie nicht vorausberechnet
gehabt hátte. Möglicherweise ist dies aus fremden Quellen
in die Annalen aufgenommen worden. Dr. Hannes Þorsteinsson,
þjóðskjalavörður (Reichsarchivar), der die Ausgabe dieser An-
nalen besorgt hat, erwáhnt einige dánische Quelleni), die der Autor
1) Annálar 1400-1800, 1., S. 34.