Rit (Vísindafélag Íslendinga) - 01.06.1933, Page 30
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Jahrhundert verfasst sein mag, wird iiber Finsternisse in fol-
gender Weise geschrieben:1)
»Es kann mitunter eintreten, dass der Mond genau zwischen
uns und die Sonne tritt; dann kann man sogar um die
Mittagszeit die Sonne nicht sehen, wenn der Mond direkt
davortritt, und das nennt man Sonnenfinsternis. Das kann
aber nur dann einfreten, wenn der Mond 29 oder 30 oder
eine Nacht alt ist. Es geschieht ferner zuweilen, dass eine
Finsternis iiber den Mond kommt, wenn er von wolkenlosem
Himmel scheint; und das tritt dann ein, wenn die Sonne auf
der einen Seite der Erde steht, der Mond aber auf der an-
deren; dann fallt der Schatten der Erde direkt auf den Mond,
und er scheint dann nicht, wenn er das Sonnenlicht verliert;
das kann nur bei Vollmond eintreten*.
Weil die Mondberechnung nach der Kalenderrechnung
(Metonischen Regel) nicht vollstandig richtig war, wuchs mit
der Zeit die Differenz zwischen Neumond nach dieser Mond-
berechnung und wirklichem Neumond. Das kommt darin zum
Vorschein, dass die Monde nach Kalenderrechnung nur 28
Náchte alt waren, als die Sonnenfinsternisse eintraten, die zu
Beginn des 14. Jahrhunderts erwáhnt werden. Diejenigen, die
dariiber schrieben, haben das sicher bemerkt und darauf hin-
weisen wollen, indem sie das Alter des Mondes nach Ka-
lenderrechnung zur Zeit der Sonnenfinsternis anfiihrten.
Selbstverstándlich sind es nur verháltnismássig wenige Islán-
der gewesen, die eine so richtige Anschauung iiber dieUrsachen
der Finsternisse hatten, wie der Verfasser der Blanda. Die
grosse Menge ist weniger gebildet gewesen und hat sich an-
dere Vorstellungen iiber die Ursachen der Finsternisse gemacht.
In der Hervarar Saga und Heiðreks2) wird Gestumblindi
folgendes Rátsel vortragen gelassen:
Hver er sá enn mikli,
er ferr mold yfir;
svelgur hann völn og veisur,
glygg hann óask,
en guma eigi
1) Alfræöi íslenzk, II. Rímtöl, Hbhvn. 1914—16, S. 59 f.
2) Fornaldarsögur NorÖurlanda I, Reykjavík 1885, S. 26.