Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Qupperneq 2
Hreystinnar, lista og þekkingar þjóð,
þungt er að horfa' á þig blæða,
en vitið þitt segir, að sorgin er góð,
ef hún svífur með andann til hæða.
Alvaldur snúi þér öllu til hróss,
eilífðargengis og framtíðarljóss I
Sigurdur Sigurðsson
Tapferes Volk, es fallt uns schwer
dich fechtend im Blute zu sehen,
du wei8t, daB auch schön ist ein Sorgenheer,
denn es schwebt mit dem Geist in die Höhen.
Die Allmacht gebe, daB in Ewigkeit
dir alles bluhe im Lichte der Zeit!
Hbersetzt von Dr. Alexander J óhannesson
II. DER IIEILIGE IIAIN
Von SIGURÐ SIGURÐSSON1
In scharíem Schreiten,
Glucks und Ungliicks Zeiten
Eilt das Leben stromgleich hin wie Tráume gleiten.
Tief am Boden, trotz der Freuden Klánge,
Unter Steinen, liegt der Schmerzen Menge.
Jubelschall erstickt in innerem Klagen,
Mag die Freude noch so hoch sich wagen.
Sinkt die Nacht herein, dann nagen
Friihre Zeiten an des Herzens Enge.
Wenn Dunkelheit schreitet,
Denkraum sich weitet,
Wachen Sorgen, iiber Freuden Schlaf sich breitet.
Friihrer Jahre Töne hört man klingen
Leichter Tage schrille Laute singen:
Kampfesstolz jetzt Friedensbitten sendet,
Frohes Lachen schweigt, die Rede endet.
Hilf’ und Ausweg fehlt, der Geist sich wendet
Funken zu, die heil’gem Feu’r entspringen.
Das stille Heiligtum im Traum
GeWáhrt durch Himmels Gnade Raum
Dem Armen wie dem Reichen,
Wo stándig bliiht der griine Baum,
Ein hehres Friedenszeichen,
— Fern von des Meeres Brandungsschaum —
Wo alle Schmerzen weichen.
Mit bloBem FuB sollst du dem Saum
_____________Des Opferherds erreichen._______________________________
1 Das Gedicht soll deu Verfasser des GruBes „Án Deutschland“ einigermaBen bekannter
machen, und zugleich soll die Úbersetzung und Verbreitung desselben ein DankesgruB
eines Deutschen an den Verfasser sein. Wie in fruheren Versuchen habe ich auf WiedeT'
gabe der Alliteration verzichtet, dafur Metrum und Reim streng eingehalten. W-
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