Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Qupperneq 4

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Qupperneq 4
miissen also, ebenso wie die Leute def Fjorde des nördlichen Breiðifjörður, vom Vatnsfjörður an bis zum Skálmarfjörður, iiber die Gláma ziehen, um auf dem Landwege nach den Gegenden an der Eisbuchttiefe zu gelangen. Sudlich von dieser schneidet eine so groBe Menge von Seitenfjorden in das Land ein, daB der Weg die Kúste entlang, wenn man die Gláma umgehen wollte, auBerordentlich zeitraubend wáre. AuBerdem sind die Kústenberge in diesen Fjorden sehr steil, oft geradezu unpassierbar. Obwohl also die Gláma die einzige Verbindung zu Lande zwischen diesen groBen Fjorden ist, wird sie doch nur sehr selten benutzt. Es gibt mindestens drei Wege úber die Gláma. Von Vattarnes am Skálmarfjörður (skálm = kurzes Schwert) nach dem I'safjörður fúhrt die Skálmardalsheiði, ein oft benutzter Weg; unter einer ,,heiði“ ist nicht das deutsche ,,Heide“ zu verstehen, sondern eine Iíochebene oder ein Plateau. Der zweite Weg fúhrt vom Skálmarfjörður nach dem Geirþjófsfjörður den súdlichen Rand der Gláma entlang, erwird gar nicht mehr benutzt. Der dritte ist der Hauptweg, heiBt darum auch schlechthin Glámuvegur (vegur = Weg) oder seit altersher Glámuheiði und geht vom Arnar- oder Dýrafjö.ður nördlich úber die Gláma nach den Fjorden des I'safjarðardjúp. Einen vierten Weg kennt die Volkssage, er soll vom Vatnsfjörður nach dem Geirþjófsfjörður geftihrt haben, bildete also gewisser- maBen eine Teilstrecke des zweiten; „Mánner der Vorzeit" sollen úber einen FluB am „Wasserfjord" eine Brúcke gebildet haben, indem sie quer úber das schmale Felsenbett drei groBe Steine wálzten. Der islándische Natur- forscher Sveinn Pálsson (1762—1840), der die erste zusammenhángende Be- schreibung der Gletscher Islands geliefert hat, erwáhnt einen alten Gebirgs- weg (Fjallasýn) quer úber die Gláma vom I'safjörður nach der Barða- strönd. Noch 1855 dachte man ernstlich daran, „wie man einen Weg finden und legen könnte úber die Glámuheiði, vom Dýrafjörður nach dem Innern des I'safjarðardjúp und ebenso nach dem Vatnsfjörður und der Múlasveit í Barðastrandarsýslu" (d. h. bis Vattarnes und der Halbinsel zwischen dem Kerlingar- und Skálmarfjörður; Thoroddsen, Lýsing I'slands II, S. 16, Anm. 3). Aber die aufkommenden Kústenfahrten der Dampfer haben diesen Plan wohl fúr immer vernichtet. Fúr unsere Zwecke kommt nur der Hauptweg, der Glámuvegur, in Betracht. Es gilt zunáchst, die Zeugnisse tiber ihn vom Altertum bis zur Gegenwart zu sammeln und aus diesem Zeugenverhör festzustellen, als was die Gláma den Menschen der verschiedenen Zeiten gegolten hat, ob sie sie fúr einen Gletscher oder fúr ein Firnfeld gehalten haben. Denn die etymologische Deutung des Namens fúhrt zu keinem Ergebnis: altnordisch glámr = blaB- gelb, norweg. glaamen = blaB, von kránklichem Aussehen, glaama = blauer Fleck in der Haut, schwed. glámig = der blasse Gesichtsfarbe und blaue 32

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