Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Blaðsíða 13
1887, S. 134/35 ur>d in der danischen Geogr. Tidskrift IX, S. 38 folgende
wenige Worte: „Der Gletscher erhebt sich als eine schwach gewölbte Schnee-
flache zu einer Höhe von 2800 FuB [In „Island. GrundriB der Geographie
und Geologie" 1906, S. 173: 230 qkm groB, 901 m hoch]; hier und da am
Gletscherrande sieht man schwarze Felsen, die aus dem weiBen Grunde
emporstehen. Das Hochland selbst um die Gláma ist eine schwach wellen-
förmige, steinige Hochebene ohne Vegetation mit groBen verstreuten Schnee-
haufen in den Niederungen. Es ist mir nicht bekannt, daB irgendein Gletscher
sich von der Gláma in die Táler hinabstreckt; der Gletscher selbst bestelit
aushartem, zusammengepacktem Schneemit vereinzelten Spalten undRissen".
In der Hauptsache hat Thoroddsen diese Ansicht auch in seinem „GrundriB"
beibehalten (S. 173), spricht hier aber von Wegen iiber das „Firnfeld",
die in alter Zeit benutzt worden seien und betont, daB keindr von dén Flússen,
die durch nahegelegene Táler ílieBen, Gletscherwasser fuhre, nur die Vatns-
dalsá und Vattardalsá seien ab und zu schwach milchfarbig von Gletscher-
lehm. Nachdrúcklich hebt Thoroddsen hervor, daB im Gegensatze zu der
Karte von Björn Gunnlaugsson Þingmannaheiði und Skálmardalsheiði, die
beiden Hochebenen súdlich und östlich dei Gláma, vollkommen gletscher-
frei seien. In „Lýsing I'slands" Kop. 1911, II, S. 16, 591 rechnet Thoroddsen
die Gláma zwar noch zu den Gletschern Islands, hebt ab'er wieder hervor:
„Mir ist nicht bekannt, daB Schreitgletscher (= Gletscherzungen) von der
Gláma ausgehen; dieser Gletscher ist sehr veránderlich, je nach der Tem-
peratur, er ist bisweilen gröBer und bisweilen kleiner, zuweilen ist die Schnee-
decke so geschmolzen, daB Rúcken und Kámme zutage treten". Im zweiten
Bande endlich seiner groBen Ferðabók, Kop. 1914, S. 34 nennt er die Gláma
einen „Schneeschild", also etwa eine runde Firnkuppe. Wir sehen deutlich,
wie sich die Anschauungen des Meisters der islándischen Geographie gewan-
delt haben, wie viel vorsichtiger er in seiner Annahme geworden ist, daB die
Gláma ein Gletscher sei. Freiwillig gespendete und oft erbetene Auskúnfte
aller Art, schriítliche oder gedruckte von Bauern und Gelehrten halten ihn
úber seine Heimat auf dem Laufenden, auch wenn er seit Jahren in Kopen-
hagen lebt. Vor allem scheint ein Aufsatz von Stefán Stefánsson, Leiter der
Realschule in Akureyri, in Thoroddsens Anschauung eine Ánderung hervor-
gerufen zu haben. Dieser bekannte Botaniker, dem wir eine ausgezeichnete
„Flóra íslands" (Kop. 1901) verdanken, war August 1893 vom Lambadalur
íiber die Gláma nach dem Dýrafjörður geritten. „Es klingt unglaublich,
ist aber gleichwohl wahr, wir kamen auf die Höhe der Gláma, ohne auf nen-
nenswerten Schnee zu stoBen . . ." „Gletschereis ist nirgends, nur vereinzelte
Schneehaufen hier und da; die höchste Erhebung heiBt Sjónfríð, ein be-
zeichnender Name, denn die Aussicht von hier ist weit und wundervoll úber
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