Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Page 19

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.10.1916, Page 19
Zahlreich eingestreute lyrische Partien von oft tiefster Empfindung und herr- lichem Wohllaut bringen auBerdem eine harmonische Abwechslung in den sonst gleichmáBig dahinrauschenden FluB der zumeist tadellosen Blankverse. Die alten Skalden freilich haben in ganz anderer Weise, námlich nicht ly- risch, aber auch nicht so schön gedichtet. Kurz gesagt: Helene von Engel- hardt-Pabst hat mit „Gunnar von Hlídarendi" ihr poetisches Schaffen ge- krönt und zugleich die deutsche Literatur um ein groBzugiges Epos bereichert, das nicht nur hochgeachtet, sondern auch gelesen zu werden verdient. NACHTRAG zu dem Aufsatze ,,Christiane Johanne Schútz, geb. Briem, Die schöne Is- lánderin' in Heft i der Mitteilungen der Islandfreunde. Erst nach dem Erscheinen dieses Aufsatzes ist eine das Niðjatal Gunnlaugs Briems sýslumanns og Valgerðar konu hans zugekommen, das 1915 von Pro- fessor Eiríkur Briem und dem ebenfalls hochangesehenen, um Islands Wohl- fahrt vielverdienten Politiker Tryggvi Gunnarsson (einem 1835 geborenen Sohne von Gunnlaugurs Tochter Jóhanna Kristjana) herausgegeben Wurde. — Bei dieser Gelegenheit seien auch die Druckfehler: S. 4, Zeile 22 von oben 1848—78 (lies: —58), S. 5, Zeile 8 von oben 1848 (lies: 1846) und ebenda, Zeile 20 und 22 Kristíana (lies: Kristjana) berichtigt. P. V. NACHRICHTEN AUS ISLAND 1. England hat in immer weitergehendem MaBe durcli einen Vertrag, der eine willkiir- liche Steigerung nach der anderen erfuhr, den islandischen Ausfuhrhandel vollstandig in seine Gewalt gebracht; die islándischen Kaufleute mussen ihre Produkte erst Eng- land zu einem von diesem festgesetzten Preis, der weit hinter dem im letzten Jahre erzielten zurúckbleibt, anbieten, die auslaufenden Schiffe mússen unbedingt einen eng- lischen Hafen anlaufen und dúrfen nach keinem an Ost- und Nordsee gelegenen Lande fahren; auch nach Danemark darf nur nach MaBgabe des dortigen nachweislichén Eigenbedarfs geliefert werden. Die Voraussetzung, daB Dánemark und Schweden Fische von Island bekamen, war daher, daB diese Lánder selbst ein Ausfuhrverbot erlieBen. 2. Wie England trotz des Vertrages mit Neutralen umgeht und den Schutz der kleinen Staaten auffaBt, dafúr liefert ein Beispiel die Art und Weise, wie sie mit dem norwe- gischen Dampfer Flora umgingen. Dieses Schiíf war auf dem Wege von den West- mánnerinseln nach dem Osten und Norden mit úber 100 Passagieren, die zum Fischfang fuhren, als es am 14. Juli von einem englischen bewaffneten Trawler angehalten wurde; dieser machte durch drahtlose Telegraphie einem gröBeren englischen Wachtschiff weiter súdlich im Ozean Meldung und dieses verstándigte sich mit London. Da der Kapitán der Flora dem Befehle, nach Lerwick zu fahren, wegen des Mangels an Kohlen undNahrungsmitteln sich widersetzte, gab der Kommandant desWachtschiffes zunáchst die Zustimmung, daB die Flora nach Seyðisfjöröur fahren und die Passagiere dort an Land setzen dúrfe. Dann aber kam eine neue Weisung aus London, die Bestánde an Kohlen und Nahrungsmitteln auf dem Schiffe zu prúfen. Diese Untersuchung dauerte úber zwölf Stunden und hatte das Ergebnis, daB die Fahrt nach Lerwiclr befohlen wurde. Zwei Tage nach der Ankunft der Flora in Lerwick gab die britische Regierung die Erlaubnis zur Rúckfahrt nach Island. Aber der Kapitán der Flora fragte darúber erst bei seiner Gesellschaft in Bergen an, die Antwort lieB auf sich warten, die Fracht 43

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