Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Síða 2
fahrten bestimmt. So wird deun allmáhlich wieder ein etwas regerer Verkehr
^intreten. Allerdings die Preise fiir die Fracht sind bedeutend gestiegen;
denn die schon im letzten Berichte erwáhnten Erhöhungen der Vereinigten
Dampfschiffgesellschaft sind nicht aufgehoben worden, wohl aber hat die is-
lándische Dampfschiffgesellschaft ihrerseits die Preise denen der dánischen
Gesellschaft angeglichen.
DaB unter diesen Umstánden, besonders auch wáhrend des Stilliegens der
gröBeren Schiffe Mangel an notwcndigen Waren eintrat, ist begreiflich. Die
natiirliche Folge war die Notwendigkeit, den Bestand der vorhandenen Vor-
ráte aufzunehmen und diese gleichmáBig zu verteilen; diese Aufgabe leitet
einer der drei Minister, dem ein AusschuB fiir Preisbestimmung zur Seite
steht. Man kauft mit Karten Zucker, Kohlen, Petroleum, neuerdings auch
Margarine und Weizenmehl. Zum Brotbacken muB auBer Roggenmehl ein
Viertel Maismehl verwendet werden; da die Bácker sich dieser Anordnung
nicht fiigen wollten, war Reykjavík einen Tag ohne Brot. Dazu besteht ein
Ausfuhrverbot fur alle auf die Insel eingefuhrten Waren, nur auslaufende
Dampfer dúrfen bis zum náchsten Hafen, den sie anlaufen sollen, versorgt
werden. Dieses Verbot hat natúrlich den Zweck, die eúigefiihrten Waren der
Insel wirklich zukommen zu lassen, es hángt aber auch zusammen mit dem
„Vertrag" mit den Fnglándern, von dem friiher erzáhlt worden ist.
Zu dessen Erneuerung und zu Verhandlungen mit der britischen Regierung
wurde eiue Gesandtschaft von drei Islánderii nach London geschickt. An
deu Verhandlungen dort nahm auch der zu Beginn des Krieges nach Reyk-
javík geschickte englische consul missus, Cable, teil. Das Ergebnis war,
daB die Bedingungen und Verpflichtungen die alten blieben, nur wurden
zum Teil den Islándern in Rúcksicht auf die allgemeine Preissteigerung etwas
höhere Abnahmepreise bewilligt. Ubrigeus war wáhrend des Aufenthaltes
dieser Gesaudten in Dondon kein neutrales Schiff nach England gekommen,
seit I. Februar keine Post aus Norwegen, am Tage ihrer Abreise (Ende Fe-
bruar) brachte ein norwegisches Kriegsschiff Post. Eiuen ernstlichen Mangel
an irgendwelcheu Waren hatten sie in England nicht wahrgenommen.
Diese Verhandiungen Islands mit England haben úbrigens eine wichtige
staatsrechtliche Seite. Bis zum vorigen Jahr hatte Island gegen die Bedin-
gung, daB fúr die Dánemark uud der Insel gemeinsamen Angelegenlieiten,
unter die z. B. die Vertretung irn Auslaud und die diplomatischen Verhand-
lungen mit fremden Staaten gehören, Island keine Steuern und Abgaben
auferlegt werden dúrfen, stillschweigend auf die Wahruug seiner Interessen
auf diesen Gebieten verzichtet; die islándische Regierung (an deren Spitze
jetzt drei Minister stehen) befaBt sich nur mit den die Insel Island allein be-
treffenden Angelegenheiten. Nun hat im vorigen Jahr die dánische Regie-
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