Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Síða 4
fiir den bei den Voraussetzungen der Insel unentbehrlichen Kiistenverkehr
war so einigennaBen gesorgt. Aber die I/age ist diese: Island nruB nach
Bngland (und Amerika) fahren, um die notwendigsten Bedarfsartikel zu be-
kommen, und muB dafiir wieder England mit seinen Erzeugnissen versorgen;
geschieht das aber, dann laufen die Schiffe Gefahr, von deutschen Unter-
seebooten versenkt zu werden. Diesem Schicksal sind nun bereits mehrere
Schiffe verfallen (Flora, Vesta, Expedit, Escondido), und es ist nur zu be-
greiflich, wenn Angst und Sclirecken um ihre Zukunft sich der Islánder be-
máchtigen; Hungersnot und Kohlenmaugel stehen ihnen als drohende Ge-
spenster vor Augen. Wieder ein trauriger Beleg dafiir, wie England auf das
Wohl der angeblich zu schiitzenden kleinen Staaten bedacht ist.
Unter solchen Umstánden wáre es nicht zu verwundern, wenn die Islánder
erbittert wáren auf die barbarischen Deutschen, die ohue alle Menschlich-
keit ihre (und anderer Neutraler) Schiffe versenken. Denn mau muB sich
klar rnachen, daB nach Dage der Dinge die von England gewiinschte Auf-
fassung der Verháltnisse dort mit allen Mitteln verbreitet wird und die Wahr-
heit immer erst viel spáter und daim vielleicht in unzureichendem MaBe den
Weg nach der Insel findet. Natiirlich erscheinen auch Zeitungsartikel genug,
die nach englisch-amerikanischem Vorbild gegen die Hunnen hetzen. Aber
man gewinnt aus den Zeitungen doch nacli und nach den Eindruck, als ob
die englische Beeinflussung und Urteilsverwirrung allmáhlich ihren Höhe-
punkt iiberschritten hátte. Die Zeitung ,,Uandið“ hatte stets groBes Ver-
stándnis fiir den Standpunkt Deutschlands gezeigt, „Uögrétta" bemiihte sich
immer elirlich neutral zu sein, ,,'Isafold“ ist nicht mehr deutschfeindlich,
wenngleich von dieser Seite die Uiige nie unzweideutig Uiige geuannt wurde;
aber neuerdings finden wir in Zeitungen, die anfánglich ausschlieBlich in eng-
lischem Solde standen, wie „Morgunblaðið", oder uns wenigstens verstánd-
nislos gegeniiberstanden, wie „Vísir", geradezu erstaunliche Artikel, die diese
Zeitungen friiher nicht aufgenommen hátten, Artikel, in denen Wilson und
den Englándern die Heuchlennaske vom Gesicht gerissen wird. Vier Mánner
sind es vor allem, die sich jetzt zusammengeschlossen haben, um die eng-
lischen Uiigen und Verleumdungen weiterhin nicht mehr unwidersprochen
zu lassen, der Professor der Medizin an der Universitát Reykjavík, Guð-
mundur Hannesson, der Direktor des Museums der Altertiimer Matthías
Þórðarson, der Politiker und Dozent Bjarni Jónsson frá Vogi und der stell-
vertretende deutsche Konsul, Dozent fiir deutsche Sprache und Uiteratur,
Dr. Alexander Jóhannesson.
Bjarni Jónsson hat in Wort und Schrift, in ungebundener und in gebun-
dener Rede bei den verschiedensten Gelegenheiten sein Verstándnis fiir deut-
schen Geist und deutsches Wesen, deutsche Not und deutsche Tat öffentlich
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