Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Síða 5
gezeigt. Dr. Al. Jóhannesson, der in Deutschland studiert und promoviert
hat, tritt nicht nur mit der Rede und mit der Feder eifrig und gewandt fiir
Deutschland ein (er hat z. B. im ,,Morgunblað“ eine ausfiihrliche Inhalts-
angabe von Hollwegs ,,Unterseebootbuch“ gegeben), sondern er nimmt auch
seine Aufgabe als deutscher Konsul sehr ernst, ernster als es der friihere
Konsul, der dánische Kaufmann Detlev Thomsen, je getan hátte. Ein Bei-
spiel dafur aus letzter Zeit, das auch sonst lehrreich ist, verdauke ich einer
privaten Mitteiluug, ist also in Reykjavík allgemein bekannt. Ein alter eng-
lischer Schleppdampfer, natúrlich mit einer Kanone auf dem Deck, kam nach
Reykjavík gefahren, lag 24 Stunden im Hafen und machte nicht die gering-
sten Anstalten, wieder abzufahren. Mit Recht nahin der deutsche Konsul
Aiistoö an diesem Bruch der Neutralitát durch ein englisches Kriegsschiff
und veranlaBte durch sein energisches Auftreten bciiu Ministerium, daB der
Englánder den Hafen verlassen muBte. Dabei stellte sich denn heraus (oder
wurde wenigstens angegeben), daB die Aufgabe dieses Schiffes war, ein altes
Kohlenschiff, das den Winter úber in der Náhe von Reykjavík gelegen hatte,
abzuholen. ,,Es muB doch recht windig aussehen mit dem englischen Schiffs-
besitz", bemerkt mein Gewálirsmaun dazu. W. H.
B. ISDÁNDISCHE STIMMEN ZUM WEETKRIEG
1. WILSON UND DIE DEUTSCHEN1 VON GUÐMUNDUR HANNESSON
Professor der Medizin an dor Universitát Reykjavik (Aus der islándischen Zeitung
,,Morgunblaðið“ vom 30. Mai 1917)
Man braucht sich nicht zu wundern, daB der Prásident Wilson seine Sache
verschönert und die Deutschen verleumdet, wenn er ihnen den Krieg
erklárt. Die Sache selbst aber ist so einfach und enileuchtend, daB wir unser
Wissen nicht aus Amerika zu holen brauchen, um das Richtige zu sehen.
Die Vereinigten Staaten haben im Weltlcrieg die eigentúmliche Neutralitát
befolgt, der Entente eine Unmenge von Waffen und Muuition zu verkaufen
und ihr eine Masse Geld zu leihen, alles unter dem Vorwand, man dúrfe
den freien Handel nicht stören. Dabei wuBten sie natúrlich, daB die Deut-
sclien mit ihnen keinen Handel treiben konnten und lieBen es sich gefallen
oder fanden sich damit ab, daB die Englánder ihren Handel mit Deutsch-
land hinderten. Da.war die Neutralitát Islands anders beschaffen, als China
vor einigen Jahren Krieg fúhrte und die islándische Regierung bekannt
niachen lieB, es sei verboten, an die Chinesen Munition zu verkaufen.
Mit gutern Grunde haben die Deutschen wiederholt gegen diesen Handel
der Amerikaner Einspruch erhoben; obgleich er aber stándig fortgesetzt
wurde, hat die deutsche Regierung Amerika immer wieder nachgegeben, deu
U-Bootkrieg eingeschránkt usw.; denn sie wollte Schwierigkeiten mit den
1 Aus der Untcrlialtungsbeilage der „Táglichen Rundschau“, Nr. 212, vom 10. Sept. 1917.
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