Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Qupperneq 8
gebung usw. aucli in einem MaBe gefördert, daB die Deutschen den meisten
oder allen Völkern als Vorbild dienen konnten. Nach dem Kriegsausbruch
haben auch die Feinde die deutsclie Tapferkeit, Organisation und Ausdauer
bewmidert. Fs macht uns Islándern Sorge, wenn wir jenes Volk, das uns
am verwandtesten ist, das uns die gröBte Treue erwiesen und unser Gliick
in allen Stiicken gewollt hat, mit beinahe der ganzen Welt Krieg fiihren
sehen. Wir stehen ihnen mit besonderer Dankesschuld gegeniiber, und es
ist unsere Pfhcht, uber sie die Wahrheit zu sagen. Das ist aucli fúr uns
selbst das Beste und Heilsamste.
2. AUCH DU MEIN SOHN1 VON MATTHIAS ÞORÐARSON
Direktor des Altertumsmuseums zu Reykjavík (Aus der islándischen Tageszeitung
,VIsir“ vom 6. Juni 1917)
ich du, mein Sohn“, sagte Cásar, als er unter seinen Mördem Marcus Bru-
,,/ \ tus, den jungen Manu, deu er so edelmútig behandelt hatte, erblickte.
Diese Worte fallen mir ein, wenn ich die böswilligen Pletzartikel lese, die
rnanche Leute ohne Uberlegung veröffentlichen. Ein solcher Artikel erschien
in der Numrner 148 des ,,Vísir“ mit der Uberschrift „Imponderabilia". Der
Verfasser schreibt úber deutsche Hartherzigkeit und schlieBt seinen Artikel
mit der Hoffnung, daB ihnen (den Deutschen) „Imponderabilia mundi" zu-
letzt schwer genug fallen werden.
Welchem Zweck dienen solche Artikel ? Sie sind keine neutralen Berichte.
Sie solleu vielleicht zeigen, daB das altberúhmte Sagavolk, das auch jetzt
der kleine, in weiter Ferne stehende Beobachter der Kámpfe der GroBmáchte
ist, statt der frúheren wahrheitsgetreuen Gescliichtschreibung nun lieber
Schimpfen und Schelten wáhlt, wenu die Kriegsereignisse diesem oder jenem
Artikelschreiber miBfallen. Diesmal sollen die Deutschen angegriffen werden,
oder am liebsten „der Kaiser und seine Militárclique" und die „deutsche
Kriegsleitung". — Das erinnert an die groBe Rede des groBeu Prásidenten,
der schöne, friedliebende Worte vom deutschen Volke spricht in dem Augen-
blick, in dem er auffordert, ihm den Krieg zu erkláren. Als ob die ganze
Welt nicht wúBte, daB die deutsche Regierung und das deutsche Volk bis
zum heutigen Tage gleichsam ein Körper gewesen ist, mit dem Kaiser uíid
seiner Regierung als Kopf. — Es ist mir, als ob ich einen Mann sehe, der
seinen Bruder mit der einen Hand zu umarmen scheint, wáhrend er mit der
anderen die Mordwaffe auf seinen Kopf richtet. Und diese Hetzrede, die
nach vieler Meinung auf der amerikanischen „Dollarmoral", und zwar in der
schlechtesteu P'orrn, beruht, wird in ihrer islándischen Ausgabe „Urteil" ge-
nanut. Herr Wilson ist ja ein so neutraler, so unparteúscher Richter in dieser
1 AusdorUnterhaltungsbeilage der„Táglichcn Rundschau", Nr.215, vom 13. Sept. 1917.
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