Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Blaðsíða 9
Sache! Aber, um von der Hartherzigkeit zu reden, ist sie bei den Deutschen
in Vergangenheit oder Gegenwart gröBer gewesen als bei ihren Gegnern ?
Vergleiclien wir nur die Ereignisse der vergangenen Jahrhuuderte. Es sind
nicht die Deutschen, die in den letzten Zeiten andere Völker unterjocht oder
ihnen ihren Gleipnir1 mit griinmiger Falschheit aufgezwungen liaben — z. B.
in Afrika: Kongo, Marokko, Tripolis, Transvaal, Ágypten usw. Es sind nicht
die Deutschen, die das irische Volk in Armut und Unfreiheit gefesselt haben,
auch ist der Hungennord der Millionen in Indien nicht Deutschlands Schuld.
Es ist nicht die deutsche'kaiserliche Regierung, die die Finnen vergewaltigt
und die ihuen gegebenen Worte und Eide oftmals gebrochen hat. Kein
Wahrheitsapostel wird in Fesseln nach den Eisfeldern Sibirieus von der deut-
schen Regierung geschickt. Wo herrscht die Geldmacht am schamlosesten ?
Kein Mensch spricht von Markmoral. Nun wird der U-Boot-Krieg als das
deutlichste Zeichen der deutschen Hartherzigkeit ausgeschrieen. Es ist, als
ob inan die Ursachen dieses weitgreifenden und furchtbaren Krieges ver-
gessen hatte. Hat man vergessen, wer mit der Blockade anfing und groBe
Strecken der Nordsee als Kriegsgebiet erklárte ? Allen ist die hauptsáchlichste
Kriegsmethode der Engláuder den Deutschen gegeniiber bekannt: das Aus-
hungern erst der Proletarier und Kinder, denn Nahrungsmangel trifft diese
ain hártesten — und dann des ganzeu deutschen Volkes. Haben sie die neu-
tralen Völker bei dieser harten Kriegsmethode verschont ? Deutsclie U-Boote
versenken ohne Schonung ueutrale Schiffe, und in der letzteu Zeit ohne vor-
herige Warnmig, sagt man. Das ist unwahr, denn jedem Seemann uud
Reeder ist die Sachlage bekannt. Wer sich in die Zone wagt, ist damit ein
Kriegsteilnehmer geworden und láuft Gefahr, getötet zu werden ebenso wie
ein Teilnehmer einer Schlacht am Uande. Ein Mann, der z. B. von Spanien
nach Deutschland iiber französisches Kriegsgebiet reisen wollte, könnte ja
auch ohne „vorherige Warnung" geschossen werden. Wer verfáhrt am scho-
nungslosesten, indem er Neutrale in die Blockadezone zwingt uud den Schiis-
sen der deutschen U-Boote bloBstellt ? Derjenige ist nicht niedertráchtiger,
der Feuer anziindet, als der Spitzbube, der Unschuldige auf den Scheiter-
haufen stöBt. Wer vergewaltigt jetzt am meisten die Völker, die neutral sein
V'ollen und zwingt sie háufig dazu, ilire teure Neutralitát aufzugeben uud
verbietet gewöhnlichen Haudel und Verkehr iiber die ganze Welt, unter Völ-
kern und eiuzelnen Menschen ? Was die Hartherzigkeit der U-Boot-Fiihrer
betrifft, so gibt es unzáhlige Beispiele, die zeigen, daB sie viele Mamischaften
von neutralen, innerhalb der Zone versenkten Schiffen zu retten versucht
°der auch wirklich gerettet haben, und viele von denen, die solclies erlebt
So hsifit in der Edda die unzerreiBbarc Fessel, mit der die Götter den Wolf Fenrir
íessolten. Der Ubers.
41
L