Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1918, Qupperneq 10
habeu, geben Zeugnis von humaner Behandlung, soweit dies nach den Um-
stánden möglich war. Die Islánder können den Fall von ,,Rán“ und eines
Segelscliiffes, das im Friihjahr hierher kam, sich ins Gedáchtnis zuriickrufen;
die Zeitungen haben davon gemeldet. Unsere Dandsleute auf dem Meere
haben bis jetzt von der Hartherzigkeit der U-Boot-Fiihrer kein Wort zu
sagen. Nein, es sind nicht die Deutschen, die uns in diesem Kriege verge-
waltigt haben. Die Ursachen der Anfeindung stecken vielleicht tiefer in un-
seren Beziehungen zu den Deutschen ? Waren es Deutsche, die in friiheren
J ahrhunderten unsere Meeresgegenden verheerten und allerlei Schaden an-
richteten ? Haben sie uns einen Gilpin1 gesandt, um die Schatzkásten un-
seres Volkes zu leeren ? Haben sie sich auf unsere Fischbánke hineingestohlen
und unseren Erwerb auf dem Meere fiir lange J ahre mit Gewalt bedroht ?
Wer unter den Auslándern hat unseren Freiheitskampf am mutigsten unter-
stiitzt ? War es nicht ein Deutscher ?2 Welche Ausláuder haben mit ihren
Schriften iiber Land und Deute, Diteratur und Volksleben unser Land am
meisten geriiluut ? Sind es nicht die Deutschen ? — Sollen wir nun jetzt
jenem Volke die NotmaBregeln veriibeln, die es in dieser furchtbaren Kriegs-
zeit hat ergreifen rnússen ? Soll dieser edehniitige und iiberlegene Cásar unter
den Völkern, auf den als unseren Freund hinzuweisen uns bisher eine Ehre ge-
wesen ist, jetzt auf unser kleines Volk unter den Feinden hinweisen können
mit den Worten: „Auch du, mein Sohn ?“
3. Einige Stellen aus dem Briefe eines Isldnders
Es macht einen traurig zu sehen, wie die Islánder immer gegen den Deut-
scken gehetzt werden. Diige und falsche Berichte werden verbreitet und
„verschönert".
Wir andern, die deutschfreundlich sind, wáren allen deuen sehr dankbar,
die dafiir zu sorgen versuchen, den Islándern die Wahrheit mitzuteilen.
Ich bin jetzt eineu Monat in Kopenhagen gewesen .... Dort habe ich
doch durch verschiedene Islánder erfahren, daB der Spion Cable von vielen
sehr gehaBt wird. Das zeigt also, daB die Islánder noch zu retten sind.
C. LITERARISCHES
1. Der gegenwártige Vertreter des deutschen Konsuls in Reykjavík, Herr
Dr. Alexander Jóhannesson, der 1915 in Halle mit einer Arbeit iiber die
„Wunder in Schillers Jungfrau von Orleans" promoviert hat, ist mit seiner
lange vorbereiteten Arbeit der Ubersetzung dieses Dramas zu Ende gekom-
1 Ein cnglisches bewaífnetes Ráuberschiff besuchte im Jahrc 1808 Island und cntfiihrte
im Auftrage der englischen Regierung islándische Schátze. Dcr islándische Gcschichts-
schreiber Espolín erzáhlt von diesen Ráubertaten. Der Úbers. 2 Der vcrstorbone dcutsche
Gclehrte Prof. Dr. Konrad Maurer in Miinchen.
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