Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1922, Blaðsíða 23
irn heutigen Volksglauben das Sehen der eígenen Person oder des Doppelgángers den
bevorstehenden Tod bedeutet, so auch schon im Altnordischen (vgl. in der Geschiclite
von Erich dem Roten, Thule XIII, S. 14, Sigrids Gesicht, dem ihr und ihres Gatten
Thorstein Tod folgt.)
Diese Darstellung muBte sich auf eine Wiedergabe des wesentlichsten Gedankengangs
der beiden behandelten Kapitelj des Buches beschranken unter Verzicht auf jegliche kri-
tische Erörterung und dabei alle nichtislandischen Beweise beiseite lassen; der Reich-
tum interessanter Hinweise und fruchtbarer Gedanken kam dabei nicht zu seinem
vollen Recht. Die Absicht dieser Anzeige ist ausschlieBlich, die Lektiire des an-
regenden Buches zu empfehlen. W. H.
YI. Þ. THORODDSENS SCHRIPTEN
J~\orvaldur Thoroddsen war nicht nur einer der eifrigsten neuislándischen Forscher,
Mr^'cin Mann von umfassendstem AUgemeinwissen wie hervorragender Sondergelehrsam-
keit namentlich auf den Gebieten der Naturwissenschaft, Geographie,Geologie und
der islandischen Lokalgeschichte, sondern auch einer der fruchtbarsten wissenschaft-
lichen wie wissenschaftlich-volkstumlichen Schriftsteller. Dem SchluBbande seines
Werkes Ferðabók (1915) fiigte er ein vollstandigesVerzeichnis seiner bis dahin erschiene-
nen Einzelschriften, Abhandlungen, Aufsátze, Besprechungen usw. bei, die die statt-
liche Zahl von mehreren hundert (rund 400) Nummern umfaBt. Seitdem kamen noch
weitere Veröffentlichungen von ihm heraus, unter anderem das umfangreiche Buch
Arferði á 'Islandi (Islands Klima), 1916—17, und die Fortsetzung seiner groBen Lýsing
'Islands (Beschreibung Islands), deren abschlieflender vierter Band zurzeit noch im
Druck ist.
Aus der groBen Anzahl der Thoroddsenschen Schriften seien hier diejenigen aufge-
fiihrt, deren Kenntnis fiir jeden, der sich náher mit Islands Natur und Kultur bescháf-
tigen will, unerlaBlich ist. An erster Stelle steht die vierbándige Landjrœöissaga 'Islands,
1892—1904, deren erste zwei Bánde unter dem Titel: Geschichte der islándischen Geo-
graphie von August Gebhardt Vortrefflich verdeutscht wurden. Dieses groBe Werk
enthált einen ganz auBerordentlichen Reichtum an wichtigen und interessanten Einzel-
heiten zur islándischen Forschungsgeschichte, allgemeinen Geschichte und Kulturge-
schichte von der áltesten Zeit an bis zur Gegenwart. — An zweiter Stelle ist die schon
erwáhnte vierbándige Ferðabók, 1913—15, zu nennen, die Thoroddsens eigene umfang-
reiche Forschungen auf Island von 1882—1898 zusammenfafit. Wer als Forscher oder
Reisender sich nach Island begibt, kann diese vielseitigen Reiseberichte und Studien
unter keinen Umstánden entbehren; sie enthalten, wie Thoroddsen selbst sich einmal
dem Schreiber dieser Zeilen gegenuber áuBerte, zwar nicht entfernt eine restlose Dar-
stellung Islands, so daB etwa nach den Thoroddsenschen Reiseberichten nicht viel mehr
fur weitere Forschungen zu leisten ubrig bliebe, aber doch alles, was notwendig ist, um
darauf mit Erfolg weiterbauen zu können, in dem Sinne, daB Thoroddsen fast alle wich-
tigen Probleme andeutet, die nachfolgende Forscher in den Einzelheiten ergriinden
und nach ausgiebigen Detailuntersuchungen zu lösen sich bemiihen können. — Als
drittes wichtigstes Werk Thoroddsens ist die streng wissenschaftliche Schrift; Island,
Grundri/i der Geographie und Geologie, zu nennen, die 1906 als Ergánzungshefte 152
und 153 zu Petermanns Mitteilungen erschien. Als Ergánzung zu diesem Werke können
namentlich die Schriften dienen: Oversigt over de islandske Vulkancrs Hisiorie, 1882,
Landskjálftar d 'Islandi (Erdbeben auf Island), 1899, 1905, und 'Arferdi á 'Islanði (Is-
lands Klima), 1916—17, wáhrend fiir die allgemeine Geographie das kleine Buch Lý-
sing 'Islands. 'Agrip. (AbriB der Beschreibung Islands.) 3. Auflage 1919, und fur die
gesamte Landesbeschreibung das schon erwáhnte groBe Werk Lýsing 'Islands, Bd. 1—4,
1908—[1922] zu nennen ist.
2 Mitt. d, Islandfreunde X, 1/2
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