Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1923, Blaðsíða 8

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1923, Blaðsíða 8
islándischen Geschichte am deutlichsten hervor. Beliebt sind die Áchter- dramen, denen Volkssagen von Friedlosen zugrunde liegen; um der Be- strafung zu entgehen, fliichteten diese ins Hochland und lebten dort von Fischfang, Jagd oder Raub. Im westlichen Island gibt es eine groBe Höhle, Surtshellir, wo tatsáchlich Geáchtete sich aufgehalten haben. Man braucht 2 Stunden, um von dem einen Ende der Höhle zum anderen zu kommen, und noch heute sind da im Innern der Höhle Gebeine von Men- schen undTieren zu finden. Daher gehören Dramen wie ,,Die Áchter“ oder ,,Der Schwarze Sveinn" von Matthías Jochumsson, „Die Höhlenmánner" von Indriði Einarsson und insbgsondere „Berg-Eyvind und sein Weib“ von Jóhann Sigurjónsson zu den beliebtesten. „Die Neujahrsnacht" von Indriði Einarsson, eines der beliebtesten islándischen Schauspiele, ver- setzt uns in die Welt der Elfen, wáhrend sein letztes Drama „Dansinn i Hruna" („Der Tanz in Hruni"), die erste islándische Iambentragödie, im 16. Jahrhundert spielt und auch auf der Grundlage islándischer Volkssagen von Sittenlosigkeit und Gottes Strafe ruht. Geschichtliche Stoffe werden auch háufig behandelt wie im „Jón Arason" von Matthías Jochumsson, welches Stiick den Kampf des letzten katholischen Bischofs gegen die ein- dringende Reformation und die bevorstehende Unterwerfung unter Dáne- mark behandelt. Jóhann Sigurjónss'on hat einen Teil der Njálssage im „Dögneren" („Der Uiigner") dramatisiert, E. H. Kvaran dasAuftreten der dánischen Beamten in friiheren Zeiten im „Dénharður fógeti" („Uenhard der Vogt") gezeigt usw. In der letzten Zeit hat man sich an das moderne Gesellschaftsdrama gewagt, z. B. Indriði Einarsson in „Skipið sekkur" („Das Schiff sinkt") und Guðinundur Kamban in „Vér morðingjar" („Wir Mörder"), das zu den allerbesten islándischen Dramen gehört. Betrachtet man die Technik der islándischen Dxamatiker, so leiden die áltesten islándischen Dramen unter denselben Fehlern, die im Auslande in friiherer Zeit xiblich waren. In einem historischen Drama von E. 'O. Brím („Gizzur Þorvaldsson") treten z. B. iiber 50 Personen auf, etwa wie in den ersten Dramen Ibsens oder in Hauptmanns „Florian Geier", in dem ja, wie bekannt, etwa 75 Personen vorgefiihrt werden. Das genannte Drama von Brím war durch Ibsen beeinfluBt und Ibsens EinfluB auf das islándische Drama ist unverkennbar. In den álteren islándischen Dramen begegnen uns alle die alten Biihnen- tricks: Man macht Intriguen, lauscht liinter der Tiir, ein Brief knupft bisweilen den dramatischen Knoten, das Stúck schlieBt mit der Verlobung zweier oder mehrerer Paare u. dgl. In den júngsten islándischen Dramen verschwinden alle diese Unbeholfenheiten, die langen Monologe kommen nicht mehr vor, alles wird schlicht und einfach: kein Revolver knallt, 40

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