Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1923, Blaðsíða 14

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1923, Blaðsíða 14
man an ein Márchen, das von Frau Holle, zu der zwei Kinder durch einen Brunnen kamen (Grimm, Kinder- und Hausmarchen 24). Was die Namen der Kinder betrifft, weiB man schon lange, daB sie ,,Ab- nahme“ und „Wachsender" bedeuten, also Bezeichnungen fiir den ab- nehmenden und den zunehmenden Mond sind. Bestátigung erfáhrt diese Deutung durch die ausdriickliche Bemerkung der Gylfaginning, daB man Bil und Hjúki von der Erde aus sehen kann. Zu Bil steht in Beziehung die Himmelsbriicke Bilrost „Weg der Bil“. Die Snorra Edda hat zwar die Form Bifrost „bebender Weg“, aber das wohl ver- anlaBt durch die Vorstellung, daB beim Weltuntergange die Brucke unter Surts Scharen zusammenbricht. Eine zu Bil gegensátzliche Gestalt, wie wir eine solche gerade auf der Brúcke entsprechend der iranischen 'Oberlieferung suchen dúrfen, ist wohl Móðguðr, die „Kriegsmutige", die am Höllen- eingange eine Brúcke bewacht. Diese Brúcke hat zwar den Namen Gjallar- brú „Brúcke úber Gjpll“, aber da es im Mythos schlieBlich nur eine Brúcke geben kann, wird die Gjallarbrú nichts anderes sein als die Brúcke Bilrost, Bifrost, 'Asbrú: Sie fúhrt vom Himmel, wo Heimdalls Burg Himinbjorg den Brúckenkopf bildet, úber die Erde in die Unterwelt. Auch sonst stehen Bilrpst und Gjallarbrú einander nahe: Die erstere erstrahlt in drei Farben, die letztere ist mit leuchtendem Golde bedeckt, also mindestens zweifarbig. Wenn die Himmelsbrúcke „Weg der Bil“ heiBt, so muB es eine Erzálilung von Bil gegeben haben, in der auch eine Brúcke eine Rolle spielte. Das könnte eine Erzáhlung vom Typus „Falsche und rechte Braut“ (Grimm, Kinder- und Hausmárchen 135) gewesen sein: Dort bildet die Fahrt oder der Ritt von Schwester und Bruder úber die Brúcke einen der grundlegen- den Zúge des Mythos; auch ein Brunnen spielt dort eine Rolle, ebenso wie in dem frúher angefúhrten Márchen von Frau Holle, von dem das eine der zwei Kinder goldleuchtend, das andere pechschwarz zurúckkommt, ein Zug, der sie als die Mondphasen charakterisiert, so wie Bil und Hjúki ilire Namen als ebendasselbe. Wir werden uns bei dem Versuche, den Mythos, der an Bil und Hjúki haftet, wieder herzustellen, wolil vor der Hand mit obiger Verinutung begnúgen mússen. Anderweitige Nennung der Bil (Hjúki tritt nur im genannten Abschnitte der Gylfaginning auf) können uns nicht weiter helfen, da es sich nur um Kenningar handelt, aus denen wir, der Art dieser ge- kúnstelten Umschreibungen entsprechend, keinen AufschluB in unserer Frage erhalten. An Bil erinnern die Namen Bilskirnir (Þórs Wohnung, möglicherweise ursprúnglich Þórr selbst) und Bileygr (Beiname 'Oðins). Der erstere Name ist eine reine Verbalzusammensetzung mit der Be- deutung „einer, der vermeidet, geschwácht zu werden“, d. i. der Starke. 46

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