Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Blaðsíða 14

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schengeist erreicht nie den Grund eines tiefen Tales, aber er verlangt immer wieder ein Dach iiber seinem Haupte. Wenn auch das Weltall unendlich ist, macht es doch die Schwache unseres Gesichtes zur Kugel. Wo dem Gesicht weiter zu sehen versagt ist, setzt es ein Ende. II. DER YERFASSER DER YÖLUSPÁ Naclidem Prof. Nordal die Ausgabe des Gedichtes veröffentlicht liatte, hat er in einem öffentlichen Vortrage dieFrage nach demVerf. derVöluspá weiter untersucht. Seine Ergebnisse, die nach Lage der Dinge nicht iiber einen hohen Grad von Wahr- scheinlichkeit hinauskommen können, wollte er nicht in der wissenschaftlichen Ausgabe aussprechen. Der Gcdankengang dieses in der Zeitschrift Iðunn abgedruckten Vortragcs ist folgender: Das Gedicht ist sicher auf Island entstanden, und zwar unmittelbar vor der Annahme des Christentums im Jahre iooo. Wir kennen keines Islánders Lebensanschauung s° genau wie die des Verf.s (auCer der des Egill Skallagrímsson). Es ist wahrscheinlicb, daC der Verf. sogenannte dróttkvæði verfaGt hat (eine Art der Skaldengedichte), denn kein Eddalied steht dieser Form naher (Anrede bei Beginn des Gedichts, Refrain), auch in Ausdrucksformen. Die Dichter dieser Gedichte sind dem Namen nach bekannt. Da es nun unwahrscheinlich ist, daG die Person dieses hervorragenden Mannes ganz vergessen sein sollte, ist es berechtigt, unter den Dichtern von dróttkvæði nacli ihm zu suchen. Dieser scheint Völu-Steinn in Vatnsnes ('lsafjördur) zu sein. Die persönlichen Voraussetzungen sind in den obigen Seiten gegeben; wir nehmen an, daB er einen Sohn verloren hatte wieEgill, daB er diesen Verlust ebenso schwer ver- wand wie dieser, daG er treu am Asenglauben hing, daC ilim die Predigt Þangbrands wie eine Offenbarung war. Von Steinn ist in der Landnámabók iiberliefert, daC er mit seiner MutterÞuríðr sunda- fyllir aus Norwegen ausgewandert war, im Bolungarvík sich niederlieC, daC cin Solm von ihm in friedensbrecherische. Weise auf deni Dorschföhrdething ermordet wurde und er diesen Verlust sehr schwer ertrug. Ein Freund begann ein Gedachtnislied auf den ermordeten Ögmund und dieses hat Steinn selbst zu Ende gefiihrt. Zwei Strophen dieses Liedes sind erhalten. Da seine Mutter als völva bezeichnet wird (er selbst wird Völu-Steinn genannt), ist er sichcr im alten Asenglauben aufgewachsen, besonders i1" Glauben an den „Vater des Zaubers, Odin". Die Wahrsagerinnen waren ihm somi* von Jugend an vertraut, so daC es verstandlich ist, wenn er seiner solchen die Schicksale der Welt in den Mund legt. Anklánge an die Völuspá finden sich in den erwáhnten Strophen, insbesondere wird die Freude uber die Gabe der Dichtkunst, die Inspiration hervorgehoben, und sie ist gerade fiir die V. bezeichnend. Steinn konntc Þangbrand auf dem Althing 998 hören, sicher aber in Hagi im Friihjahr 999 bei Gestur treffen. Die Stellungnahme zum Christen- tum in der V. ist die námliche, wie sie Gestur und seine Freunde zeigen; sie nehmeU nicht die Taufe an, aber sie lieCen sich mit dem Kreuze zeichnen: prímsigna. So ist auch die Völuspá ein heidnisches Gedicht, das mit dem Kreuz gezeichnet ist. Dazu koH1' men noch eine Reihe kleinerer Beobachtungen. Und dann schlieBt der Verf. mit foigenden Ausfiilirungen: Mir ist, als befinde ich mich in Hagi am Barðastrand im Frulijahr 999. Am Morgen nach der Ankunft Þangbrands hat Gestur, zusammen mit anderen Gásten, ein langcS Gesprách mit ihm. Der Priester vcrkiindigt ihnen nicht nur das Christentum, sondc*11 auch die wichtige Meldung, daB nach zuverlássiger Prophezeiung lieiliger Bucher dic letzten und schlimmsten Tage beginnen und dann dcr Tag des Gerichts kommen whlt' Da werden die Menschen gerichtet nach ihren Werken, die sclilechtcn fahren zur HöHc> die guten und gerechten aber kommen ins Himmelreich und lebcn dort in ewiger Frcll<tc 14

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