Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Blaðsíða 23
^agnús Guðmundsson geworden. AuBer von den Konservativen wird das neue Mini-
sterium auch von den Mitgliedern der Unabliangigkeitspartei gestiitzt.
VIII. DIE WAHLEN AUF DEN FÁRÖERN
Am 22. Januar haben die Wahlen zum fáröschen Lagthing stattgefunden, die der
Sambandsparti einen erlieblichen Erfolg gebracht haben. Diese Partei, die keine
eranderung der staatsrechtliclien Stellung der Inselgruppe zu Danemark wiinscht,
Crhielt 3671 Stimmen, wáhrend es die Selvstyreparti (Selbstverwaltungspartei) auf nur
239o Stimmen brachte. AuBerdem erhielt eine parteilose Liste 139 Stimmen. Die
^ambandsparti erhielt 13, die Selvstyreparti 10 Mandate. Gegeniiber den beiden letzten
J*ahlen von 1918 und 1920 zeigt sich eine wesentliche Zunahme der Stimmenzahl der
anibandsparti, die nunmehr nur noch auf Sandö in der Minderheit ist.
Infolge eines nicht ganz gerechten Walilgesetzes erhielt die Selvstyreparti bei den
Tyahlen von 1918 und 1920 die Mehrheit der Mandate, obgleich sie an Stimmenzahl
'nter der Sambandsparti schon damals zuruckstand. — Bis jetzt waren der Amtmann
Und der Propst kraft ihrer Ámter Mitglieder des Lagtliing gewesen, welche Bestimmung
IeIzt abgeschafft ist.
Unter den gewálilten Angehörigen der Sambandsparti befinden sicli Landstliings-
abgeordneter Effersön und Folkethingsabgeordneter Samuelson, unter den gewahlten
ngehörigen der Selvstyreparti der ,,Königsbaucr“ J. Patursson.
Hio Wahlen zeigen, daB die Mehrzalil der Faringer sowolil einer Loslösung von Dáne-
Ulark als auch der von Nonvegen ausgehenden sogenannten norrönen Bewegung ab-
ehnend gegenubersteht.
^alle a. S. S. Remertz
Tx. OBERARCHIVAR DR. PHIL. JOHN ÞORKELSSON f
111 Reykjavík starb Anfang Februar im 65. Lebensjalir der Chef des Nationalarchivs
r- phil. Jón Þorlcelsson. Im April 1859 geboren, besuchte er die Gelehrtenscliule
*n Keykjavík und spáter die Universitát in Kopenliagen. Im Jalire 1888 erwarb 'er
en pliilosophischen Dolctorgrad mit einer Abliandlung úber „Die Diclitung auf Island
I T5- und 16. Jahrhundert". Im Jahre 1900 wurde er Arcliivar der Landesbibliothek
n Reykjavík. In dieser Stelle scliuf er sozusagen das Archiv. Als das National-
itn K*r tsban<Ii Has sámtliche zivile, geistliche und kommunale Archive umfaBt,
11 Jahre 1915 eingerichtet wurde, wurde der jetzt Verstorbene zu seinem Oberarchivar
stellt. In dieser Stellung hat der vortreffliche Historiker, der er war, ausgezeichnete
r 0Tt geleistet. Er war auBerdem Vorsitzender der islándischen literarischen Gesell-
0 Tatti deren Protektor der König ist.
p 10 Studien des Verstorbenen haben sich hauptsachlich auf Islands Literatur- und
jy!s°nalgeschichte seit dem Jahre 1400 erstreckt, ferner liat er die Herausgabe des
‘Ploniatarium Islandicum fortgesetzt, hat islándische Nekrologe mit genealogischen
ellen sowie Stefán 'Olafssons Gedichte lierausgegeben. Femer verfaBte er eine
^ 0rische Darstcllung von König Júrgen Júrgensens Taten auf Island, jenes dánischen
scl enteurersi der sich zu Anfang des vorigen Jahrliunderts wáhrend des englisch-dáni-
lii KrieSes zum König von Island machte, aber nach einigen Monaten von den Eng-
v ,ern vorjagt wurde. Zusammen mit dem frúheren Minister Professor Einar Arnórsson
Peí er das Werk Ríkisréttindi 'Islands (Die Reichsrechte Islands), in dem dar-
der .Wurde, daB Island de jure ein unabhángiger Staat sei (aucli schon vor 1918),
Dánemark nur in Personalunion stánde. SchlieBlich sei noch erwáhnt, daB er
T8oi bis 1896 in Kopenliagen die illustrierte Monatssclirift „Sunnanfari" lieraus-
^geben hat.
"^e a- S. s. Remertz
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