Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Qupperneq 21
5' HALLDOR K. LAXNES, Undir Iielgahnúk (Unter dem Heiligen Berg). Reykjavík
^924.
er Verfasser dieser Erzahlung ist unseren Lesern durch die Novelle: „Ein Natur-
ind” bekannt. Seitdem ist mit ihm eine groBe Wandlung vorgegangen: er ist zum
^atholizismus ubergetreten und es ist wohl fraglich, ob dieses Buch nicht iiberhaupt
íUr lange Zeit sein Abschied von der weltlichen Literatur ist. Die Angabe im Vorwort,
111 'vie kurzer Zeit es entstanden ist, láBt darauf schlieBen, daB der Verfasser diesen Stoff
noch in aller Eile sich vom Herzen schreiben wollte. Damit ist manche der Unausge-
Siichenheiten zu erkláren. Es ist die Jugendgeschichte eines Kindes von den ersten
agen bis zur Abreise zur höheren Schule nach Reykjavík. Ein eigenartiges Kind, ehr-
lcn, fruhreif, altklug, dem alle Verschleierungen und Unaufrichtigkeiten der Er-
'vachsenen zuwider sind, das viel zu bald iiber alle möglichen Biicher, besonders theo-
°gischen Inhalts, kommt, die es nicht vertragen kann. Man hat den Eindruck, daB viel
clbsterlebtes in dem Empfinden und Werden des Knaben seinen Niederschlag gefunden
'at, ob auch der katholisierende Unterton, der sich in Einzelheiten geltend macht, auf
sPezieller Neigung schon in jiingsten Jaliren beruht, wage ich nicht zu behaupten. Die
anderen Personen, bei denen der Gedanke, daB alle Schuld sich auf Erden rácht, auch
clie in bester Absicht begangene, den Leser verfolgt, treten klar hervor. Da ist der Vater,
cier gerne ein tiichtiger Baucr geworden ware, von den Eltern (der Vater ist hoher Be-
arnter) zum Studium gezwungen wird, vollkommen verbummelt, schlieBlich durch Fiir-
Sorge der Mutter doch noch zum Pfarramt gebracht wird, zu dem ihm jeder innere Beruf
enlt, schlieBlich doch ein Rohling, der fiir das innere Leben seines Sohnes nicht das ge-
ringste Verstándnis hat und fur seine „Verbrechen" nur schroffe Ziichtigung kennt,
1 le Mutter, in nonnenhaftem Geiste aufgewachsen, von feinstem Empfinden, die sich
nach und nacli von dem innerlich leeren Gatten enttauscht sieht, von seiner Roheit
Slch abwendet und nach dem Tode ihres zweiten Söhnchens, das aller Welt Liebling ist
llnd durch einen Ungliiclcsfall umkommt, schwermiitig wird, bis sie schlieBlich — nach
1 lrcr Meinung — die Schuld des Lebens abgetragen hat und mit Selbstmord endet.
Aucli die anderen, die Nebenfiguren, tragen zum Kulturbild bei, wie der alte Klein-
Páchter oder der Geisterbeschwörer. Alles in allem ist sehr viel ernster Stoff und viel
Vaft in dem Buch. Doch darf man die Schattcnseiten nicht ganz iibersehen. Das Vor-
'apitel paBt nicht recht zur eigentlichen Erzáhlung, da die Hauptperson (Kjartan
■'narsson) fur die spátere Entwicklung nicht einleuchtend vorgezeichnet ist; auch das
celenleben der Mutter wird nicht ganz verstandlich und der AbschluB gerade mit dem
~'eginn der gelehrten Bildung ist gewaltsam, wenn niclrt ein zweiter Teil rasch folgt.
1 dieser kommt, ist fraglich, „jedenfalls nicht unter 7 Jahren“, sagt das Vorwort.
Alles in allem: der Verfasser ist eine wirkliche literarische Kraft, die uns etwas zu
Sagen hat; hoffentlich findet er das innere Gleichgewicht wieder und lernt mit zunehmen-
er Hbung seine Stoffe gleichmaBig durchzuarbeiten und sprachlich glatt (gerade an
p6r ^prache nimmt ein islándischer Kritiker besonderen AnstoB) auszufeilen. Einzelne
artion sind diesmal schon Mcisterwerke der Kleinkunst. W. H.
p LISSMANN, Island-Mappe. Hanseatischer Kunstverlag Hamburg.
er Hanseatische Kunstverlag hat die im 9. Jahrgang unserer Mitteilungen besprochenen
er LiBmanns zu einer Mappe zusammengestellt und eine Einfiihrung von Mia Lenz
y 'Ifíegeben. Der Preis fiir das Heft von 25 Bláttern ist M. 25.—, doch erklárt sich der
erlag bereit, bei geniigender Abnahme unseren Mitgliedern bedeutenden Preisnach-
a 2n genehmigen.
Vl- Þ- THORODDSENS ÍIINTERLASSENE SCHRIFTEN
/V ls Prof. Uorvaldur Thoroddsen am 28. September 1921 in Kopenhagen starb (vgl.
VJahrg. 9, Heft 3/4 u. Jalirg. 10, Heft 1/2), war das SchiuBheft von Band 4 seiner
°“en „Lýsing Islands" = Band 2 der Abteilung „Landbúnaður á Islandi" im Druck; es
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