Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1922, Qupperneq 9
mit dem hochkultivierten islandischen Volke' zu kommen und liebe Be-
kannte, welche mich friiher iu Upsala und Stockholm besucht hatten,
zu treffen,
Es war nicht so leicht, als wir es glaubten, fiir uns vier Fahrkarten erster
Klasse von der dánischen Hauptstadt bis Reykjavík zu bekommen. Noch
zeitig im Friihling bestellte ich bei „Det Forenede Dampskibselskab" in
Kopenhagen Fahrkarten, um im Juni zu reisen, aber es war unmöglich,
Bescheid zu bekommen, ob es Fahrkarten gábe oder nicht. Da sandte ich
VorschuBbezahlung fúr die Fahrkarten ein, aber erst nach einem Tele-
gramm von mir bekam ich endlich Antwort: ,,Es gibt keine Fahrkarten." Sehr
angenehm! Wir hatten schon alles in Ordnung, und nun muBten wir unseren
Sommerplan ándern. Das ist mir spáter gesagt worden, daB die dánische
Reederei sich nicht viel darum kúmmert, in welcher Ordnung Fahrkarten
bestellt werden, zuerst werden die eigenen Landsleute und Islánder sicher-
gestellt und dann die Auslánder. Das ist kaum glaublich, aber es ist wirk-
lich wahr. Fúr Islandreisende mit den Schiffen des „Forenede Damp-
skibselskab" ist es daher ratsam, direkt in einem Reisebúro die Fahrkarten
bar zu kaufen. Mit der gröBten Noi erhielten wir Fahrkarten, um im August
zu reisen.
Nach einigen Tagen in Kopenhagen, das fúr uns alle ein alter Bekannter
war, nur nicht fúr meine júngste Tochter, reisten wir nach Ultima Thule.
Wir fuhren mit „Botnia", einem recht bequemen, aber nicht allzu modernen
Schiff. Ungefáhr 50 Personen waren wir in erster Klasse, alle aus nordischen
Uándern. Wir waren die einzigen Schweden, Deutschland war durch einen
intelligenten kathohschen Geistlichen vertreten — er gehörte der katho-
lischen Gemeinde in Reykjavík an — auBerdem eine norwegische Familie,
einige Islánder, der Rest waren Dánen, darunter der neue dánische Ge-
sandte in Island, Herr Minister Böggild. Er reiste dorthin, um seine neue
Stellung anzutreten.
Es schien, als sollten wir eine sehr gemútliche Reise haben. Mit frohem
Mut gingen wir alle dem Mittagstisch entgegen. Man dachte gar nicht an
das Meer. Es wurde aber doch eine furchtbare Seereise, fast alle wurden see-
krank. Der dánische Gesandte und meine júngste Tochter — 8 Jahre
alt — blieben verschont, und der liebenswúrdige Diplomat unterhielt sich
ganz zuvorkommend mit seiner kleinen Reisegefáhrtin. Es war wenigstens
gut, daB eine Person Schweden wúrdig vertreten konnte. Wir anderen
drei — meine Frau, meine 14 jáhrige Tochter und ich — muBten energisch
im Bett liegen.
Meine geehrten Ueser, Sie sollen nicht glauben, daB alle Reisen nach
Island so stúrmisch sind. Unser freundlicher Kapitán erklárte uns, daB es
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