Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1923, Page 21
9- Die Geschichte von Frithjof dem Kiihnen. Aus dem Altislándischen iibersetzt von
G. Wenz. Jena, Diederichs, 1922.
Die Tegnérsche Frithjofsaga ist in aller Handen, aber mit der zunehmenden Kenntnis
des altnordischen Altertums ist der Wunsch in weiten Kreisen erwacht, iiber die roman-
tische Darsteliung zur Urform zuriickzukommen. Fiir diesen Zweck gab es bisher keine
deutsche Ubersetzung der alten Frithjofsaga. Eine solche liegt jetzt vor, und zwar
lag die Aufgabe in guten Hánden, da sie von dem Herausgeber der ersten kritischen
■^usgabe des altislándischen Textes (Halle 1914) veranstaltet ist. Sie liest sich leicht und
g«t, hált sich so nahe als möglich an den Text und gibt in einem Anhang Antwort auf
alle im AnschluB an diese Erzáhlung dem Leser naheliegenden Fragen in knapper, aber
ausreichender Form. Daher kann diese Úbersetzung ihren Zweck wolil erfullen. W. H.
!o. Von Geir Tómasson Zoega erschien im September 1922 zu Reykm,vík die 2. vermehrte
Auflage seines neuislándisch-englischen Wörterbuchs. Die 1. Aufl., die 1904 herauskam,
"'ar seit Jahren vergriffen, und die neue Auflage, die zahlreiche Erweiterungen und
Wrbesserungen bringt, kommt einem vielfach und lebhaft gefiihlten Bediirfnisse ent-
gegen. Ein neuislándisch-deutsches Wörterbuch gibt es leider noch nicht. Das groBe
neuisl.-danische Wörterbuch von Sigfús Blöndal ist jetzt bis zum Buchstaben L fort-
geschritten. Damit ist der erste Band des inhaltlich wie typograpliisch meisterhaften
Werkes abgeschlossen.
ri- Die islándische Literaturgesellschaft hat zwei neue groBe Veröffentlichungen be-
gonnen, die von gröBter Wichcigkeit fiir die islándische Litcratur und Gescliichte wer-
‘lcn miissen; 1. eine Kvæðabók, die alle islándischen Gedichte seit 1400 (auBer den
fimur) mit genauen Untersuchungen uber die Persönlichkeiten der Dichter, eine Aus-
gabe mit wissenschaftlicher Genauigkeit, ohne den fiir die Allgemeinheit störenden Bal.
íast der Schreibweise jener Zeit und dergleichen. Der Herausgeber ist der Vorsitzende
^er Gesellschaft, Dr. J ón J?orkelsson, der ungemein kenntnisreiche, vielseitige und un-
ermudliche Direktor des Archivs in Reykjavík, von dem offenbar uberhaupt die An-
regung zu beiden groBen Arbeiten ausgegangen ist. 2. Eine Sammlung der islándischen
Annalen seit 1400, herausgegeben von Hannes Dorsteinsson, dem bekannten Genealogen
und Historiker. Diese beiden groBen Sammelwerke zeigen deutlich, wie ernstlich man
srch jetzt an das wissenschaftliche Erbe des lange vernachlassigten islandischen Mittel-
ulters heranmacht.
J2. Der Professor fiir neuislándische Sprache und Literatur in Kopenhagen, Dr. Valtýr
C'tiðniundsson, hat eine ausfuhrliche und sehr sorgfáltig gearbeitete Laut- und Formen-
^ohre der islandischen Sprache der Gegenwart herausgegeben, absichtlich nicht histo-
r>sch gehalten, aber gute sprachwissenschaftliche Schulung auf jeder Seite beweisend.
N. G., Islandsk Grammatik, Kopenhagen, Hagcrup, 1922. 191 S. Schade, daB die
^alutazustánde den Deutschen die Anschaffung dieses danisch geschricbenen, aber
SIcher auch vonLeuten, denen dieseSprache fremder ist, leicht zu lesendenBuches, nicht
crlaubt: es hilft wirklich einem fiir uns Islandfreunde dringenden Bediirfnis ab. Denn
"'ir haben nichts an die Seite zu stellen und bei den jetzigen Aussichten trotz einer
vorhandenen Vorarbeit keine Hoffnung, daB wir in absehbarer Zeit ein Buch haben wer-
'icn, das wir Deutschen zur grundlichen Einfuhrung empfehlen könnten.
Nimmt man zu diesem Buche die 1920 in Reykjavík erschienene 'Isiensk setninga-
lræði (Islándische Syntax) von Jakob Jóh. Smári dazu, die rein deskriptiv ist, so kann
nran sich jetzt einen ganz zuverlassigen Oberblick úber die moderne islándische Sprache
vcrschaffen. Die beiden Verfasser haben sich damit ein groBes Vcrdienst erworben. W. H.
V. DER VEREIN DER VOLKSFREUNDE
(= ISLÁNDISCHER NATIONALVEREIN) 1871—1921
Auf eine sojáhrige Wirksamkeit sah im vorigen Jahre hið íslenzka þjóðvinafjelag
zurúck. Die Geschichte der Vereinigung hat sein jetziger Vorsitzender, Professor
Dr. Páll E. 'Olason in einer glánzend ausgestatteten Festschrift vorgeíuhrt, die in
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