Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1923, Síða 29

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1923, Síða 29
Der Ketil war in eine dicke schwarze Wolke gehiillt. Dunkel war es in der Duft und ganz still, das Wetter feucht und kalt. Ds war ein Schnee- treiben, aber anders als gewöhnlich, mit dunkelgrauem Bimsstein. Der Bimsstein fiel auf die schneefahle Erde, und wáhrend des Tages wurde schwarz, was gestern weiB war. Die Deute, die hinaussahen, erschraken: Das war bedenklicher als Wiiste und der Gifthauch in der Buft. Mehr als hundert Jahre schien dieses Gebiet keinen Sommer gehabt zu haben. Am friihen Morgen ging Helgi aus, um die Schafe zu suchen. Er ging nach dem Berge und verschwand im Aschengebiet. Heidbæs schlief an diesem ganzen Tag. Die Deute sprachen an diesem Tag nicht viel. Die GroBmutter saB aufrecht im Bett und erzáhlte von Eeuerausbriichen Aiiherer Tage. Und wenn auch niemand die Geduld dazu hatte, auf sie zu hören, saB sie trotzdem und sprach mit sich selbst von den wunderbaren Ereignissen von damals. — Gegen Abend kam Heidbæs ins Wohnzimmer, gekámmt und gewaschen wie ein Reitpferd. „Man kann kaum schnaufen drauBen unter freiem Himmel bei der Asche und dem giftigen Geruch," sagte er. Astrid dachte an Helgi, ihn, der den ganzen Tag auf den Bergen herumging und die Schafe im Aschetreiben suchte. „Was machen Erdbeben uud Ausbriiche auf dich fiir einen Eindruck, Asta ?“ fragte Heidbæs. „Und auf dich ?“ fragte sie wieder. Dann kam Helgi nach Hause. Er war ganz schwarz, bis auf die Záhne, D er sah ganz aus wie ein Neger. „Die Schafe sind zur Futterung im Stall,“ sagte er, „ich fand sie alle.“ Helgi, der den ganzen Tag úber die Berge gelaufen war und die Schafe gesucht hatte, jetzt kam er heim und wusch •sich. Asta sah liebevoll auf ihn, den Islánder, wie er in allen J ahrhunderten 'var, abgehártet gegen Feuer und Eis und aller Art Not von Geschlecht Zu Geschlecht in tausend Jahren. Ihr Blick fiel auch auf Heidbæs. Da saB er weiter ab an der Feuerstelle, glatt wie ein Hobelspan und reinigte seine Nágel, bleich und mit den Augen zwinkernd, nachdem er doch den ganzen Tag nach dem Ausbruch ge- schlafen hatte. Niemand zweifelte, daB er ein Bild von dem Ausbruch llu Sonnenschein malen könnte, so schön, daB eine ganze Welt von Leuten seiner Art starr vor Bewunderung davor stehen könnte. Er konnte mit den Frauen schákern und klug reden, undwert- und nutzlose Nachbildungen ^cr Natur schaffen, ja, das konnte er, aber ein Naturkind war er nicht, ge- schweige denn ein Sohn des Feuers und des Eises. Von ihm aus hátten a^e Schafe zugrunde gehen können an Hunger uud giftigem Geruch. Is- ^and prúft den Islánder, Island — und nichts anderes. Ist es zuviel gesagt, 'la.B er die Prúfung nicht bestanden hatte ? Vielleicht. Möglicherweise war er der Mann der Zukunft, auf dem das Glúck des jungen Island beruht, 61

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