Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Blaðsíða 7

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Blaðsíða 7
damit mehr an die Oberfláche kárne. Diese Gedichte Weisen auf eine höhere ÍJntwicklung, gereifteres Wachstum, höhere geistige Wiirde, als die meisten des Buches zeigen. Diese Gedichte veranlassen uns, mit Spannung das nách- ste Buch Hannes Hafsteins zu erwarten, das uns seinen geistigen Horizont in den reifen Mannesjahren zeigt, die Töne der innersten Saiten seines Herzens Ul*d seiner Seele, die offenbar erst noch erklingen miissen, vielleicht weil au diese Saiten noch nicht gerúhrt wurde.“ Und dann kam das náchste Buch. Die Prophezeiung ging bekanntlich in ■Srfúllung. Hannes Hafstein ist zweimal der höchstgestellte Mann in seinern l<ande gewesen. Und als Beamter, als Politiker und Bankdirektor wurden seine Gedanken stark in Anspruch genommen. Es ist daher kein Wunder, daC die Wartezeit etwas lang wurde. Die Muse der Dichtung ist eifersúchtig nnd verlangt, daB man sich ihr ganz widmet — sonst verschwindet sie; aber die Bescháftigung mit praktischen Aufgaben verlangt das auch. Es ist stets sehwer, zwei Herren zu dienen — wenn auch viele das nicht einsehen wollen. Viele der Gedichte in dem neuen Band, die im alten Heftchen nicht stan- den, sind gelegentlich veröffentlicht worden. Aber keineswegs alle. Gerade emige vorher nicht veröffentlichte gehören zu den práchtigsten Dichtungen des Buches. Bs fallt jedem auf, daB die Saiten, die er anschlágt, zahlreich sind und vie- lerlei Töne erklingen. Seine Skala reicht z. B. vom grimmigsten Hohn úber uHser Volksleben bis zu den zartesten Liebestönen fúr Band und Volk. Der Dichter will „den Hohn nicht höhnen", denn: „Hohn kann die Heimat wohl vertragen, Er ist dazu allein imstand den Knechtssinn zu verjagen." Islánder haben schwerlich so höhnende und sarkastische Glossen úber sich ergehen lassen mússen wie von Hannes Hafstein; seitdem Jónas Hall- giimsson behauptete, der Teufel habe in ihren Hirnschalen nichts als „leere ^luhlen" gefunden, und daB sie die Eselskinnbacken nicht von sich lassen ^ollten, um sie am Gerichtstag zur Rechtfertigung zu haben. Auch der ^eysir wird Hannes Hafstein zum Bild der Kraftlosigkeit in seinem Volk: „er schoB mit Gedröhn empor in máchtigem Strahl, Dampfsáulen prustend aus tiefem Schlund. Wie hoch hat die Schnellkraft empor ihn gerafft! Grell schied er des Himmels grauweiBlichen Grund! Zu oberst, urplötzlich erschlafft, fiel jáhlings sich wendend er wieder zum Urquell der Kraft.“ (Poestion, Eislandblúten, S. 196) 35

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