Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Blaðsíða 30
sátze iiber verschiedene Islimder, die zum Teil auch fiir uns von Interesse sind (Jóhannes
Jóhannesson, Biirgermeister von Keykjavík, Sveinn Björnsson, isl. Gesandter in Dáne-
mark; Einar Gunnarsson, Vilhjálmur Finsen, der fruhere Morgunblaðherausgeber; Gud-
mundur Magnússon prófessor; Holzschnitzer Stefán Eiríksson, Vilhjálmur Þ. Gíslason
magister, apostol. Prafekt J. M. Meulenberg). AuCerdem, wie immer, Gedichte und
kleine Erzáhlungen. Es ist kein Zweifel, daB 'Oðinn fiir biographische Angaben und
Nachrichten aus Island von groBer Wichtigkeit fiir uns ist. Wir freuen uns daher des
Entgegenkommens des Herausgebers, daB er uns nunmehr dieses Blatt auch zur Ver-
fiigung stellt. B7-
4. ISLÁNDISCHE VOLKSMÁRCHEN. Úbersetzt von Hans und Ida Naumann, ver-
legt bei Eugen Diederichs. Jena 1923.
Mit dem feinen Kunstsinn, der dem Diederichsschen Verlag eigen, ausgestattet, wándert
ein neues Buch in die Welt, das sich seiner inneren Wesenheit nach eng an die Búcher
der Thulesammlung anschlieBt und jedem Kenner derselben eine hoch willkommene
Bereicherung und Ergánzung bringt: Islándische Volksmárchen. Abgesehen von unserffl
alten, ewig neuen Grimm, wciB ich kein Márchenbuch zu nennen, das so echt erzáhlt.
Man hört die GroBmutter hinterm Ofen von vergangenen Zeiten und wunderbaren Be-
gebenheiten raunen, man hört Ráder surren im Takte alter Spinnstubengeschichten.
Uraltes Márchengut, jener goldone Hort der Menschheitsseele, der uns schon aus den
Gráberfunden ágyptischer Papyri, aus der altindischen Sagenwelt und da und dort aus
den Bláttern des alten Testaments entgegenleuchtet, taucht in diesen islándischen Volks-
márchen auf. Die Verwandtschaft festzustellen, die ihren Ursprung weniger in den Zu-
fálligkeiten múndlicherUberlieferung von Volk zu Volk, als in den allen Völkem gleicb
eigenen Urbedingungen der Menschheitsseele haben mag, kann wieder neue Búcher
fúllen. Die Forschung hat liier ein reiches, in den letzten Zusammenhángen wohl nie
ganz aufzuklárendes Gebiet. Wer sich nicht in so weitgehende Spekulationen verlieren
will, findet in den islándisclien Volksmárchen altnordische und Eddamotive wieder und
kann an der Hand der eingehenden Anmerkungen seinen wissenschaftlichen Eifer voll-
auf befriedigen.
Mit dem deutschen Volksmárchen ist das islándische eng verwandt, mag sein land-
schaftlicher Hintergrund auch ein anderer sein; fremd ist er uns nicht, mögen wir den
Boden Islands auch nie betreten haben: Schneefall und Einsamkeit, wilde Heide und
rauschendes Meer, Wald und húgelig und bergig Land, — die Kultur eines Bauernvolkes,
das fest in seinen Schuhen steht, — wir denkcn an Widukinds Land und Stamm. In
neuer Abart finden wir unsere Stiefmuttermárchen wieder, unsere Elfen und Riesen-
geschichten, Aschenputtel und Blaubart, Dornröschen und Rumpelstilzchen! Den alten
Leser mutet ein Kinderjubel an, wenn er sie wiedererkennt im neuen Gewand. Und
das Gewand ist so schlicht wie das alte, ist nicht die mit Hautgout verbrámte, sensatío-
nelle Toilette, in die unsere Modernen so gerne alte Márchengestalten kleidcn. Weniger
geláufig sind uns die vielen Áchter- und Pfarrcrgeschichten; in beiden spiegelt sich
ein Stúck urechten altislándischen Lebens wieder.
In der Kinderstube und im Lesewinkel der Erwachsenen, die reinen Herzens sind,
wird dieses Buch ein lieber Hausfreund werden, zu dem man gerne in guten und schlecb-
ten Tagen kommt, weil er immer Freude und Erquickung fúr uns bereit hált, jene KráRc
echter Poesie, die nur eine ursprúngliche Phantasie zum quellen bringt, und die so wohl-
tun in unserer zerquálten, úberreizten, gewollten Literatenzeit. So sei Hans und Ida
Naumann ein herzliches „Habt Dank!“ gesagt fúr ihre Gabe und ein hoffnungsfrohes
„Glúck auf!“ fúr ihr weiteres Wirken. A. H. Eckh^
5. OTTO SIGFRID REUTER, Das Rátscl der Edda und der arischc Urglaube. 2. Bd->
mit zahlreichen Abbildungen. 1923, Verlag Deutsche Gemeinscliaft, Bad Berka bei
Weimar, 276 S.
Der erste Band dieses Werkes hat binnen kurzem zwei Auflagen erlebt, ein Beweis,
wie der Verlag erklárt, fúr „die tiefgehendc Teilnahmo, die unser Volk den religiös011
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