Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Blaðsíða 12
der Flotte von Juli bis in den September hinein, trotzdem die Kegierung von
sich aus durch Entgegenkommen in der Frage der Hafenabgaben, Ausfuhr-
gebiihren u. dgl. ihr möglichstes, wenigstens an guteni Beispiel, tat. Wie es
scheint, ist jetzt die Arbeit zum groBen Teil wieder aufgenommen worden1,
die náheren Bedingungen entziehen sich noch unserer Kenntnis.
Was die landsverzlun betrifft, so finden wir in der islándischen Presse
wohl eine auBerordentlich reiche Zahl von Artikeln, die in irgendeiner Forffi
auf diesen „Verwaltungszweig" hinweisen, háufig jedoch nicht mehr ent-
halten, als private Polemiken „Derer, die es angeht". Jedenfalls hat die
Revision des Abschlusses der landsverzlun ganz erhebliche Verluste auf-
gedeckt, die z. T. in dem Wesen des Staatsbetriebes, z. T. in der Person des
Gescháftsfiihrers begriindet waren und die nun zu Basten der Allgemeinheit
gehen2. Gegriindet wurde die landsverzlun urspriinglich nur als Tabak-
monopol zum Zwecke der Staatseinnahmen. Bei 15—50 % Verdienst ver-
anschlagte man fiir das erste Jahr ca. 200 000 Kr., erhöhte aber schon wáh-
rend des ersten Betriebsjahres die Verdienstquote auf 25—75% un(l erreichte
1922 einen effektiven Ertrag von 100 000 Kr.! Dabei aber wurden die Schwer-
fálligkeit des Betriebes, die unzulángliche Auswahl an Ware und die zu hohen
Preise allgemein empfunden. Die Gesamt-Tabakeinfuhr ging auf 65 000 kg3
zuriick (von 77 000 kg in 1921 und 137 000 kg in 1920), doch auch diese
Tatsache kann niclit als giinstiges Moment fiir die Gesamtwirtschaft be-
zeichnet werden, da die genannte Menge die tatsáchliche Einfuhr kaum
wiedergeben diirfte. Die Schmuggelware kann ja statistisch nicht erfaBt
werden. Eeider infolgedessen auch nicht der Tabakzoll in Höhe von 8 Kr.
pro kg. Im „Vísir" wird der Monopolverwaltung dringend nahegelegt, den
Tabakverkauf sobald als möglich niederzulegen, da sonst das gesamte Ge-
scháft an den illegitimen Handel verloren gehe!
Auch die Dbemahme des Petroleummonopols hat schon ihre rmliebsamen
Wirkungen gezeigt. Bekanntlich fand sie unter Bruch des alten Verháltnisses
zur amerikanischen Standard Oil Co. statt; diese hatte aber kaum das Feld
geráumt, als auch schon die Regiemng der Vereinigten Staaten islándische
1 Es sind sogar schon mehrere islíindische Fischdampfer, die wohl den Verlust dreier
Monate besonders rasch „einbringen" sollten, wegen Fischens innerhalb der Hohcits-
grenze vom dánischen Fischereischutzkreuzer nach Reykjavík „eingebracht" worden.
Die Strafe beláuft sich unter normalen Umstánden auf 10 000 Kr., Verlust der Ladung
und evtl. Fanggeráte. Deutsche Fischdampfer hat dies Schicksal iibrigens mehrfach
ereilt, jetzt scheint indes die Finanzmisere uber den Wagemut gesiegt zu haben. 2 Das
Budget fiir 1921 wirft fur „Verlust der landsverzlun auf Kohlen und Salz" ca.1,5 MiU-
Kr. aus, die 1922 durch besondere Steuern erhoben worden sind. (Stjórnartíðindi, B. 2,
A. 2, 1923, S. 131, und Vísir, 6. September 1923.) 3Vísir, 17. August 1923. Der Unter-
schied zwischen den beiden letzten Jahren betrágt 12 000 kg, das ist ein Verlust an
Zöllen fur die Staatskasse von 96 000 Kr.
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