Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Blaðsíða 13
Wolle mit einem so hohen Einfuhrzoll belegte, daB Island dadurch in eine
Qeue Absatzkalamitát geraten ist1. Bezeichnenderweise gibt Héðinn Valdi-
warsson, der Gescháftsfiihrer der landsverzlun, eine Erklárung dieses plötz-
^ichen Zolles, indem er sagt2, die Amerikaner hátten entdeckt, daB die islán-
'iische Schafwolle mehr zu (feineren) Tuclien (dúka) als wie bisher zu Decken
(teppi) verwendet wiirde und also als eine Art Buxus liöher besteuert werden
miisse • Wir wollen auf die weitere Tátigkeit Héðins (der zur Förderung seiner
iandsverzlun auch ungedeckte Wechsel begibt), nicht náher eingehen, setzen
aber an den SchluB unserer Betrachtungen den Spottvers, den die Islánder
auhángen, der vielleicht auch auf sein System paBt:
„Gaman er að börnunum, þegar þau fara að sjá3.“
Zeitz Walther Miiller
JV. KIRCHE UND VOLKSLEBEN AUE ISLAND IN DER
KATHOLISCHEN ZEIT
(Nach einem Aufsatz des Bischofs Dr. Jón Helgason)4.
t. Die Annahme des Christentums auf Island durch AlthingsbeschluB im Jahre iooo ist
einzigartiges historisches Ereignis. Ohne Zwang gibt die Mebrlieit den Glauben der
ater auf und schlieBt sich nach Antrag eines Mannes aus der heidnischen Partei der
. r’sthchen Minderheit an: man hatte die politische Einsicht, daB das kleine Völkchen
lrr> Clauben und Gesetz einheitlich sein miiBte, und die andere, daB man die Verbindung
n ’t der alten Heimat Norw egcn, wo Olaf Tryggvason die Annahme des Christentums
CrzWang, nicht verlieren durfte.
2. Die Annahme war zunachst auBerlich; eine innere Einstellung auf den neuen Glauben
hlte und auch Priester waren nur in ganz unzureichender Zahl vorhanden. Trotzdem
richt christliche Denkweise sich Bahn, 1006 wird der Zweikampf abgeschafft, 1010
Aussetzen von Kindern verboten und 1011 liat Flosi bei der Njálsbrenna5 wenigstens
hon christliche Gewissensbedenken; das standige Waffentragen hört nach und nach
auf; die Sklaverei verschwindet; alte und kranke Leute gibt man in schlechten Jahren
^icht mehr preis, und noch vor dem Ende des 11. Jahrhundcrts setzt der Bischof Gizurr
Die Vereinigten Staaten erhielten 1922 75% der Total-Wollprodulction Islandsl (s.
a lrtschaftsdienst, Weltwirtsch. Nachrichten 1923, Heft 23). 2 Vfsir, 21. August 1923.
<1. h. etwa: Kinder miissen iiberall dabei sein. 4 Dieser Aufsatz ist der Mittelpunkt
cs 5- Jahrgangs des Jahrbuchs, das vom Verein islándischer Geistlicher herausgegeben
'VJr<f• Dieser Band enthalt wieder zahlreiche interessante Abhandlungen, von denen
nennen möchte: 'Asm. Guðmundsson: Dorvaldur víðförli; Þorsteinn Briem, der
10 Frage untersucht, warum die Frauen kirchlicher gesinnt sind als die Manner, und
en Weg zur Abhilfe aufweist. t)ber die Mission in China berichtet 'Olafur 'Olafsson.
g al oór Jónsson redet der Pfloge des Kirchengesangs das Wort; der Herausgeber Prof.
• P- Sievertsen erzahlt von der Kirche in Spanien und Eiríkur Albertsson von den
lssionsspielen in Oberammergau. DerSchluB bringt eine Zusammenstellung von neuen
llchern in Norwegen, Danemarlcund Schweden, die dem Interessenkreise der Leser an-
h 'oren: fiir uns sei erwáhnt die Besprechung des bekannten Buches von Fricdr. Heiler:
ps Gebet (in schwedischer Úbersctzung), und eine Anzeige von Fr. Paasche, Snorre
urluson og Sturlungerne, in der besonders die Charakterisierung des Bischofs Guð-
uiundr hinn góði riihmend liervorgehoben wird (vom Bischof Dr. J. H.). 5 Vgl. Thule,
and IV, Die Geschichte vom weisen Njal, S. 278.
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