Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Blaðsíða 14
die Abgabe des Zelinten durch, von dem ein Viertel an die Arnien gegeben werden soll-
Die Pflichten gegen die Kirche sind damit anerkannt.
3. Sie war eng mit dem Volkstum verwachsen, dic ersten Bischöfe sind vortreffliche ein-
heimische und islándisch empfindende Manner und die GroCen legten auch Wert darauf,
das Wohl der Allgemeinheit in der Biscbofswabl den persönlichen Intcressen vorgehen
zu lassen. Die Macht der Bischöfe aber beruhte nur auf ihrem Ansehen. Sie verstehen
es, die siidliche Kultur mit der einheimischen zu vereinen, sie griinden Schulen, die in
allen Nordlanden ihresgleichen suchen, Geistlicho legen den Grund zur islandischen
Geschicbtsschreibung, haben vielleicht zuerst die Eddalieder gesammelt und mít ihrer
Hilfe werden die áltesten Gesetze aufgezeichnet. Die Zeit von der Mitte des u. bis Endc
des 12. Jahrhunderts ist die gliicklichste Periode der islandischen Geschiclite. Seit der
Mitte des 12. Jahrhunderts sind genugend Priester vorlianden und damit verschwindet
die Sitte, daB die Besitzer der Kirchen sich selbst zum Priester weihen lieBe.i. Auch die
Klöster dienten dem Eindringen wahren Christentums, sie waren die Státte der Ruhe
und der Beschaulichkeit, wo man sich religiösen Gedanken und der Reinigung der Seele
widmete, und genossen beim Volke die höchste Schátzung und Verehrung.
Das Volk war allerdings noch sehr auBerlicli christlich, doch fehlte nicht ganz bewuBter
Glaube: Die lateinische Messe und die kirchlichen Zeremonien wirkten auf das Gcmiit, so
bescheiden die Kirchen und der Gottesdienst im Verháltnis zu anderen Lándern auch
war. Es wurde auch in der einheimischen Sprachc gepredigt, vor allem an den Haupt-
festtagen und dadurch das Vorstándnis fiir die Feste und die Sakramente der Kirche
verbreitet und deren Forderungen an die Menschen ausgesprochen. Solche Homilien lie-
gen aus dem 12. Jahrhundert vor, meist Ubersetzungen, die mit den Gedanken der groBen
Kirchenlehrer des Abendlandes bekannt machen, Augustin, Gregor d. Gr., Honoríus
von Autun (Elucidarius). Dazu kam auch die Lektiire von Heiligengeschichten (helgra-
mannasögur), zunáchst am Gedachtnistag der betr. Heiligen. Auch die christliche Dich-
tung der Zeit (Harmsól von Gamli á Þykkvabæ, Leiðarvísan und Sólarljóð) muB dem
Volk bekannt geworden sein und das Evangelium der Liebe und die Forderung des reinen
Herzens als erstes Gebot ihm nahe gebracht haben.
4. Der groBe Segen des islándischen Christentums beruhte darauf, daB, wie Sars sagt,
die Máchtigen gelehrt (zum Priester ausgebildet) und die Kleriker national waren; das
machte den Katholizismus so unkatholisch, wie er bis iiber die Micte des 12. Jahr-
hunderts war.
Bis 1103 stand Island unter dem Erzbischof von Bremen, dann bis 1152 unter Lund;
diese waren beide weit weg. Anders wurde es, als Island dem Erzbistum Niðarós (Dront-
heim) unterstellt wurde. Damit trat eine Wendung ein. Die beiden ersten Erzbischöfe
dort zeigten durchaus römischen Geist, wie er damals in Rom lierrschte, eine Erneuerung
der Forderungen Gregor VII. (decretum Gratiani). Sie veranlassen in Island den Streit
zwischen den weltlichen Machthabern und der Kirche und fuhren die Sturlungenzeit her-
auf (und dabei stammen sie beide von islándischen Ahnen), das war gerade die Trennung,
die man bei der Annahme des Christentums vermeiden wollte. Der Bischof von Skálholt,
Þorlákur Þórhallsson (1178—1193), der spáter heilig gesprochen wurde, ist der erste
Vertreter der kirchlichen Machtforderung auf Island, wenn er auch darauf bedacht war,
den Frieden nach Möglichkcit zu erhalten. Vermutlich hatte man in Norwegen schon
damals weitergehende Gedanken.
5. Der Streit bricht aus unter Gudmund Arason, Bischof von Hólar (1203—123Z,
t 1237), dem von weltlicber Seite Kolbeinn Tumason1 entgegentrat und damit beginnt
das Elend der Sturlungenzeit. Die weltlichen GroBen waren durchaus nur áuBerlich Chri-
sten, man rechnete stets damit, daB man jedes Verbrechen mit entsprcchender BuBe
siihnen könnte; die Absolution war ohne Reue des Herzens zu bekommen. Man benutzte
1 Die wichtigsten Geschichten aus der Sturlungasaga, die von den Ereignissen dieser
Zeit und ihren bedeutendsten Mánnern handelt, werden in Thule, Bd. 20, zugánglicb
werden.
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