Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Síða 1

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Síða 1
MITTEILUNGEN DER ISLANDFREUNDE OROAN der vereiniouno der islandfreunde HERHUSG.: PROF. DR. W. HEYDENREICH IN EISENflCH U. DR. H. RUDOLPHI IN LEIPZIG / VERLHG VON EUGEN DIEDERICHSIN JENA XlI.Jahrg.Heft 1/2 ~ Juli/Oktober 1924 Die MITTEILUNGEN DER ISLHNDFREUNDE ersdieínen als Halbjahrsschrift undwerden den Mitgliedern derVereinigung kostenlos geliefert und vom Verlage zugesandt. I. DER SEHERIN WEISSAGUNG (YÖLUSPÁ) as groliartige Lied der sog. Liedercdda, das unter dem Namen Völuspá bekannt d beriihmt ist, hat den Forschern schon viel Kopfzerbrcchen gemacht, da es ' e lenweise liickenhaft iiberliefert und im Ausdruck háufig recht dunkel ist. Die Haupt- ^aífe aber war stets die, ob und inwieweit das Gedicht christlichen Einflufi zeigt. 1,11 liat der unseren Lesern durch wiederliolte riihmende Erwáhnung bekannte Pro- essor der nordischen Philologie an der Universitat Reykjavík, Dr. Sigurður Nordal, 5 Beigabe zum Jahresbericht der dortigen Universitát fiir das Studienjahr 1922/23 ine wissenschaftliclie Ausgabe dieser Dichtung mit ausfiihrlichem Kommentar ver- entlicht, in der er zu neuen, ganz selbstandigen Anschauungen sowohl in der Einzel- fii Hrun" w*e *n der Gesamtauffassung gekommen ist. Bei dem grofien Interesse, das r diese tiefgreifenden Ausfiihrungen zu erwarten ist, habe ich den Verf. gebeten, einen ei* der zusammenfassenden und abschlieflenden Kapitel in Ubersetzung mitteilen zu es ■ n’ Studium der ganzen Schrift wird dadurch natiirlich nicht ersetzt, aber wt so die Möglichkeit gegeben, weiteren Kreisen von den Anschauungen des fein- nigen Gelehrten eine Vorstellung zu geben. Was im folgenden iiberraschend er- ^ e*nen mag, ist in vorausgehenden Abschnitten, die liier nicht ubersetzt sind, vor- ereitet. Weiteres deutet auch der náchste Aufsatz an. Der Verfasser der Völuspá war eiuer der kjiigsten Máuner seiuer Zeit und im Besitze der Bildung, die ein Islánder im 10. Jahrhundert haben 0linte. Fur uns Enkel des 20. J ahrhunderts ist es recht schwer, sich einen s°lchen Mann vorzustellen: mit durftigeren Kenntnissen als sie heutzutage Gl11 Konfirmand liat, dabei aber mit klarer Vernunft und klúgerem Denken U's ^ie meisten Gelehrten unserer Zeit, deren Horizont durch die Speziali- Slerung verengt uud deren Denken durch die Mannigfaltigkeit und die Unruhe es Kebens in der Gegenwart schwankend und unsicher geworden ist. Wenn |Vlr ai1 die áltesten Weisen Griechenlands oder die klúgsten Deute auf dem <Ull(ie in Island denken, kann das den Abstand etwas mindern. Ein ernst- 1 Mitt. d. Islandfreunde XII, 1/2 1

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