Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Side 13

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Side 13
Die Natur des Bösen ist hemmend, verneinend: Kálte und Dunkel, Trág- heit und 'l'od. Deshalb ist der Tod, nicht die Qualen, das einzige, was nach 'ogischem Denken auf seinen Teil kommt, wenn Hab und Gut des Daseins verteilt wird. In diesem Punkte weicht der Verf. der V. vom Christentum durchaus ab. Dieser Zeitgenosse des Hallfred fiirchtete keine Hölle, erkennt Sle nicht an. Die Qualen, von denen in der Dichtung die Rede ist, sind heid- ^ische, nordische Vorstellungen: Wasser und Kálte. Und sie sind nicht ewig. híach der V. ist die Unsterblichkeit nicht jedem Menschen angeboren. Man 'uuB sie sich erst verdienen. Es ist dieselbe Anschauung, wie sie in Peer Gynt erscheint, und viele wackere Mánner in alter und neuer Zeit gehabt haben. öer Böse ist nicht besiegt. Er ist ebenso ewig wie das Gute. Es hat das Seinige zuriickbekommen: alles, was in seinerEntwicklung nicht iiber inneren Widerspruch und Eidbruch hinausgekommen ist. Aber Beziehungen zwischen ^eni Guten und Bösen bestehen nicht mehr. Und daher ist es mit jedem Kampfe zu Ende. Aber das Gute lebt. Baldr und Hödr, die Briider, die schuldlos erschlagen w°rden waren, jeder in seiner Art, werden die höchsten unter den Göttern. ■^Un kommt der Hehre in sein „Gottesreich", das Reich, das ihm bereitet ist. ^r hat keinen unmittelbaren Anteil an diesen Ereignissen genommen, aber aus dem Kampfe selbst konnte man sein Dasein erschliefien, wie die Existenz eiHes unsichtbaren Planeten aus seinen Einfliissen auf die Bahn eines anderen, Slchtbaren. Er war das Ziel aller, die vorwárts strebten — und darunter gerade ('er alten Götter. Damit, daB die Welt, in Entwicklung und Miihen, eine ge- _ Sse Stufe der Vollkommenheit erreicht hat, komrnt er von selbst. Dann lsr das Ziel des Daseins erreicht. — Es ist das nichts anderes als eine Vor- stellung von dem Schicksal der Welt, gebildet nach der höchsten Glaubens- erfahrung des Einzelnen, und nur von solchen zu verstehen, die eine solche ^rfahrung kennen. Der „Hehre" ist weder Christus noch Odin, sondern die höchste Gottesvorstellung des Dichters selbst. 'So schlieöt die V. die Geschichte der Welt ab. Der Volksglaube, wie er im ^afthrudnirlied erscheint, sieht ebensowenig ein Ende wie einen Anfang: leben die Ráchenden und die jungen Götter nach dem Erlöschen von Surts , °he, auch die Riesen, denn der Mjölnir wird erwáhnt. Die Wiedergeburt da nichts anderes wie neuer Anfang der alten Geschichte. Allerdings airn man nach der Uebensansclmuung der V. sich denken, daö eine neue efle aus dem Tode emporsteigt und zum Leben sich zu erheben sucht, und eme nach der anderen. Diejenigen aber, die einmal in Verbindung mit dem ^0chsten gekommen sind, brauchen an diesem Kampfe nicht teilzunehmen. lesen Gedanken verfolgte der Dichter nicht. Er hatte Ruhe fiir seine miide ele gefunden und nahm sie freudig auf. Das war menschlich. Der Men- 13

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